Verdienstvolle Vermessung
Wenn sich zu Lebzeiten eines Komponisten Musikologen über sein Werk beugen und es bis auf die Quintolensechzehntel genau bis zur letzten Motivabspaltung analysieren, dann setzt das seine starke Präsenz im Musikbetrieb voraus. Die hat sich Aribert Reimann, jetzt 81 Jahre alt geworden, zuletzt mit seiner Oper «Medea» (2009) gesichert, einer der spannendsten Vertonungen dieses Stoffes in der Konkurrenz mehrerer Jahrhunderte.
Doch schon ab «Lear» (1978) hatte Reimanns Kunst solches Gewicht, dass eine Würdigung von Leben und Werk unabdingbar wurde und fast etwas verspätet stattfand mit Wolfgang Burdes Buch von 2005, schön ausgestattet, facettenreich, durchaus ins Detail gehend, aber auch zum Stöbern einladend.
Auch das war freilich kein Buch für den Publikumsmarkt der beiläufig Interessierten, auf den sich allerdings sowieso kein lebender Komponist unterhalb der Aufführungszahlen von Andrew Lloyd Webber ernsthaft Hoffnungen machen dürfte. Noch weiter vom Publikum entfernt sich nun Siglind Bruhn mit dem knapp 300 Seiten dicken Werk «Aribert Reimanns Vokalmusik». Wer dieses Buch aufklappt in der Erwartung, sich festlesen oder darin stöbern zu können, tut ihm unrecht. Hier geht es, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Volker Hagedorn
Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Also fangen wir mit dem Bekenntnis an, dass auch uns schon hanebüchene Schnitzer durchgerutscht sind. Da wurde zum Beispiel die «Traviata» mal kurz Puccini untergeschoben, ein gewisser Herr Hayden schaffte es sogar aufs Cover. Und keiner hat’s gemerkt. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen...
JUBILARE
Vladimir Davidovitch Ashkenazy wurde 1937 im russischen Gorki, dem heutigen Nischni Nowgorod, geboren. Sein Talent wurde früh entdeckt: Mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen, als Absolvent des Moskauer Konservatoriums gewann er 1955 beim Chopin-Wettbewerb in Warschau den zweiten Preis. Ein Jahr später siegte er beim Wettbewerb Reine Elisabeth in...
Auch Dramaturgen haben ihre Lieblinge. Die einen zieht es zu Wagner und Verdi, andere verbringen die Hälfte ihrer Lebenszeit damit, den Kontinent Mozart zu erforschen, dritte können von Händel nicht lassen. Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt, Dozent und Autor einiger überaus lesenswerter Bücher zum Thema Musiktheater, fühlte sich im Verlauf seiner...
