Foto: Falk Wenzel
Editorial Juli 2017
Die Fahnen vor der Oper Halle sprechen eine poetische Sprache: «Alles brennt» steht da, schwarz auf weißem Grund, und »Alles träumt». Verkürzt drückt sich hier der Wille zum Neuanfang aus: Wir wollen dieses Haus zu einem Ort des gesellschaftlichen Diskurses, der Fantasien, der Utopien machen – Widerspruch inbegriffen. Damit haben sich Intendant Florian Lutz und sein Leitungsteam (Veit Güssow, Michael von zur Mühlen) viel vorgenommen. Manche meinen, zu viel. Oder zu wenig, je nach Perspektive.
Ende April erschien in der «Mitteldeutschen Zeitung» unter der Überschrift «Ein Fass ohne Boden» ein Artikel, der für mächtigen Wirbel sorgte. Um «ruinöse 44,5 Prozent», hieß es da, seien die Einnahmen der «Theater, Oper und Orchester GmbH Halle» (TOOH) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken – bei einem gleichzeitigen Zuschauerrückgang von 40 Prozent. Besonders das Musiktheater sei zum «Risikofaktor für den Bühnenbetrieb» geworden. Binnen eines Dreivierteljahres habe die neue Führung die städtischen Bühnen – Gesamtetat: 33 Millionen Euro; 21 Millionen steuert die Stadt Halle bei, 9 Millionen das Land Sachsen-Anhalt, 3 Millionen sind als Eigeneinnahmen veranschlagt – in eine bedrohliche ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Pforzheim feiert, mit gutem Grund. Man begeht den 250. Jahrestag der Eröffnung einer Uhrenmanufaktur. Lange Zeit war die Stadt im Schwarzwald ein Zentrum der Schmuckproduktion. Doch die meisten Jobs in dieser Industriesparte wurden seit den 1980er-Jahren abgebaut. Die Arbeitslosenquote ist die höchste in Baden-Württemberg.
Das hat Auswirkungen auch auf das...
Am Anfang die Gewissheit. Es wird kein gutes Ende geben. Schon während der Ouvertüre, noch bevor der erste Ton gesungen ist, steht Marie vor dem abgetrennten Kopf ihres Geliebten Cinq-Mars. Doch das ist die Zukunft im Jahre 1642. Das unausweichliche Ende des Stücks. Die Liebe wird zum Opfer der Macht.
Charles Gounods «Der Rebell des Königs», uraufgeführt 1877 in...
Ein Mann geht durch die Wand. Schwarzer Anzug, blondes Haar. Tritt aus einer Öffnung, die den Umrissen eines modeltauglich stilisierten Frauenkörpers nachgebildet ist. Gerade noch, während des Vorspiels, schien sie fugenlos abgedichtet, diese Barriere. Ein massives, steingraues Nichts, aus dem, in einen Lichtkreis gebannt, ein Auge schaute, ein Ohr lauschte....
