Versuche mit Verdi

«I due Foscari» aus London, «La traviata» aus Baden-Baden, «Un ballo in maschera» aus München

Opernwelt - Logo

Manchmal dokumentieren DVD-Mitschnitte aus großen Häusern, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird – wie in der Provinz. Etwa wenn es um Verdi geht. Erstes Beispiel: «I due Foscari» am Royal Opera House in London. Ein finsteres Kammerspiel machtpolitischer Ränke, mit dem Verdi die Choropern seiner Anfänge endgültig hinter sich ließ. Thaddeus Strassberger inszeniert es, auf meist dunkler Bühne, steif und in historischen Kostümen.

Den einzigen Farbtupfer setzen die drastischen Folter- und Hinrichtungsszenen, mit denen er die Halluzinationen des jüngeren Foscari im Gefängnis illustriert. Ansonsten positioniert er die Stars ins Zentrum – und die konventionelle Bildregie macht es ihm nach. Erfreulich der subtile, idiomatisch singende Francesco Meli als Jacopo Foscari, während Plácido Domingo nicht die nötigen Bariton-Farben für die Partie des alten Foscari besitzt. Exzellent Antonio Pappano, der mit straffer Hand die richtige Mischung aus rhythmischer Verve und emotionalem Rubato findet. Aber wer sieht sich eine DVD schon wegen des Dirigenten an?

Rolando Villazón greift für seine Baden-Badener Festspielinszenierung von «La traviata» tief in die aktuelle Regie-Klischee-Kiste. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Sinnlos zauberhaft

Als die Bayerische Staatsoper in München vor wenigen Monaten Gioachino Rossinis «Semiramide» herausbrachte, suchten die Beteiligten diese als inhaltlich und psychologisch schlüssiges Werk zu behaupten – mit eher begrenztem Erfolg. Die Regisseurin Nicola Raab dagegen denkt in ihrer Regiearbeit in Nancy gar nicht daran, sondern zeigt die Oper als das, was sie ist:...

Perfektionistische Eleganz

Sir Jeffrey Tate wurde 1943 im englischen Salisbury geboren. In seinem ersten Leben studierte er in Cambridge Medizin und wurde Facharzt für Augenheilkunde. Trotz einer schweren angeborenen Behinderung entschloss er sich danach noch zu einem umfassenden Musikstudium und wurde Dirigent. Die körperlichen Voraussetzungen  für eine Karriere als Pultstar schienen...

Bayreuther Internationale

Man muss sich die Mitglieder der Richard-Wagner-Verbände als glückliche Menschen vorstellen. Aber wenn die vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann dies: Es wäre ein Fehler, sich  darauf zu verlassen.

Um die Stimmung zu verstehen, die heute in der organisierten Anhängerschaft herrscht, muss man in der Verbandschronik ein paar Jahre zurückblättern. Etwa zum 21....