Choreografie der Körper: Mukdanin D. Phongpachith (Maskierter) und Hila Fahima (Giunia). Foto: Theater/Sandra Then

Verdichtet

Mozart: Lucio Silla Basel | Theater

Opernwelt - Logo

Das sitzt. Harsch klingen die ersten Akkorde, das enggeführte Melos. Kein weites Ausschwingen, sondern ein strenger, konturenscharfer Verlauf. Als sei Nikolaus Harnoncourt noch einmal unter uns. Am Pult des hochaufmerksamen Sinfonieorchesters Basel steht jedoch Opernchef Erik Nielsen. Mozarts frühe Seria «Lucio Silla» erscheint nicht als das sprühende Ideenfeuerwerk des 16-jährigen Götterlieblings. In Basel steuert alles auf die späteren Musikdramen um Liebe und Tod zu.

«Hass und Liebe haben ihre Grenzen», postuliert der allzeit mordbereite Diktator.

Darauf die mit allen Mitteln umworbene Giunia, Tochter des hingemetzelten Antipoden: «Bei mir nicht.» Knapp und ohne Umschweife, so wie die Musik daherkommt, nicht selten daherfegt, so umstandslos ist der Plot in Szene gesetzt. Das hat seinen Preis. Aus den vier Stunden, 1772 in Mailand, sind gut zweieinhalb geworden. Nielsen, Dramaturg Henry Arnold und der große, alte (?) Hans Neuenfels hatten straffende Hand angelegt, so manches Da capo und Rezitativ gestrichen. Für Neuenfels steht nicht die (ursprüngliche) Form, sondern das gesungene Theater obenan.

Dem Regisseur gelingt eine seiner stringentesten, klarsten, mit der Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Commercial

Schon mit dem ersten Satz seines Kommentars zur Duett-Platte Rolando Villazóns und Ildar Abdrazakovs gelingt dem Autor die treffende Kritik: «Es ist nichts weniger als ein Gipfeltreffen dreier Operngrößen.» Tatsächlich ist es nicht weniger als ein Commercial geworden: vielleicht die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen mit einem vom Gipfel abgestürzten Tenor;...

Heldenlos

Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht...

Dem Wahn verfallen

Das Theater St. Gallen hat es gewagt. Kühn hat das Dreispartenhaus im Osten der Schweiz zur Eröffnung der neuen Saison «Die Gezeichneten» von Franz Schreker ins Programm genommen. So wie es 1988 mit der Produktion des «Schatzgräbers» der Schreker-Renaissance in der Schweiz einen Anstoß verliehen hat. «Die Gezeichneten» sind natürlich ein Werk ganz anderen...