In der Lebens- und Todesspirale: Andreas Schager als Parsifal; Foto: Hans Jörg Michel
Hoffnung darf sein
Fast 40 Jahre dauerte es von Wagners erster Begegnung mit dem Parzival-Stoff bis zur Uraufführung seines späten Bühnenweihfestspieles. Die lange Inkubationszeit hatte natürlich Folgen: Der Sinnschichten, die das Stück aufeinandertürmt, sind viele, der Rätsel auch. Wer da klärt und Erlösungsmetaphern in klare Bildlösungen packt, kann eigentlich gleich einpacken.
So zuletzt geschehen im Frühjahr an der Wiener Staatsoper, wo der Regisseur Alvis Hermanis «Parsifal» ins örtliche Otto-Wagner-Spital verlegte, in eine Nervenklinik also, wo das alte Spiel zwischen Irren und ihrem Pflegepersonal losgetreten wurde. Man verstand nach fünf Minuten, worum es gehen sollte, der Abend dauerte aber noch fünf Stunden …
Es war deshalb eine gute Idee des Hamburger Intendanten Georges Delnon, den «Parsifal» einem Regisseur zu überlassen, der in anderen Dimensionen denkt und keine Stimulationsbildchen aus dem Alltag braucht, um ein Ideendrama darzustellen. Achim Freyer, inzwischen 83 Jahre jung, ist alles andere als ein Wagner-Spezialist, aber er hat in Brüssel «Tristan und Isolde» in eine unvergessliche, weil synästhetisch aufgeladene Symphonie der Farben verwandelt und den «Ring» nach Los Angeles auch ...
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