Tod und Verklärung

Verdis «La traviata» im wieder aufgebauten Teatro La Fenice von Venedig

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Eine weise Entscheidung, als ers­te Oper im wieder aufgebauten Teatro La Fenice die «Traviata» zu bringen; das Stück hat hier Heimrecht wie kein anderes. Als Verdi es 1853 am selben Ort herausbrachte, verlangte er gemäß der litera­rischen Vorlage von Dumas, dass die Handlung die Gegenwart abbilden und die bigotte Standesgesellschaft seiner Zeit bloßstellen solle. Das wurde damals vom Theater nicht respektiert.

Jetzt aber nahm Regisseur Robert Carsen zur festlichen Einweihung den alten Maestro beinahe allzu ernst: Seine kranke Kurtisane muss sich durch die kaputte Welt einer drogenverseuchten Partygesellschaft schlagen. Patrizia Ciofi, die sich als Violetta Valéry zur ­Ouvertüre in schwarze Seidendessous gehüllt auf ih­rem Arbeitsplatz, einer üppigen Bettstatt, räkelt, ist ein Eskort-Girl unserer Tage. Um das weiter zu verdeutlichen, lässt Carsen noch vor Beginn der ersten Szene eine Reihe von Freiern an Violettas Bett treten, die ihr gleichgültig Geld vor die Füße werfen. Dass auch ­danach aus dem trüben Himmel stetig Scheine regnen und vor der beängstigenden Fototapete eines Waldes für romantisch-herbstliches Blätterrauschen sorgen, soll wohl die Kälte des kapita­listischen ...

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Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Birgit Pauls

Vergriffen
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