Verdi: I vespri siciliani
Widerstreitend sind die Gefühle in Palermo. Ungetrübter Glanz einer hervorragend musizierten Verdi-Aufführung hätte sich entfalten können, steckte das Theater nicht in einer tiefen Krise. In Mailand oder Parma hätten die Opernfans den Protagonisten und Ralf Weikert am Pult Ovationen bereitet – hier bröckelt ein resigniertes Publikum ab und applaudiert müde.
In Ezio Frigerios monumental-traditionellem Bühnenbild aus Elementen der normannischen Gotik Palermos arrangiert Nicolas Joël die Intrigen gegen die Fremdherrschaft ohne Extravaganzen.
Banal die sizilianische Ballettfolklore, überwältigend dagegen der fast achtzigköpfige, gut studierte, in den Staccato-Ensembles gestochen präzise Chor, der kein einziges Mal schleppt und Ralf Weikerts im Allgemeinen rasche Tempi hält – langsamer ist nur der Bolero Elenas im fünften Akt, weil Doina Dimitrius hochdramatischer Sopran zwar großes Volumen und Strahlkraft entfaltet, aber wenig beweglich ist (mit einer Tendenz, Töne von unten her anzusingen).
Im streikgeschüttelten Italien beeinträchtigten nicht nur die fehlenden Proben die Orchesterqualität. Am 30. November, nach dem Ende des Generalstreiks, erschien ein Teil der ...
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Auch wenn es gegenüber dem Produktionsteam und allen anderen Mitwirkenden ungerecht ist, der neue «Siegfried» an der ENO (English National Opera) ist vor allem wegen des Protagonisten bemerkenswert: Richard Berkeley-Steele bewältigt die Monsterpartie nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern er bietet dem Publikum das äußerst seltene Ereignis, in Körpersprache,...
Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichtslose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...
Clemens Krauss, damals noch Operndirektor in Frankfurt, winkte erst einmal ab, als ihm die Deutsche Erstaufführung von Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (UA Prag, 1927) angeboten wurde. Das sei eine rein tschechische Angelegenheit, die in Deutschland keine Aussicht auf Erfolg habe. Als die Premiere dann kurz darauf im Stadttheater Breslau über die Bühne...
