Verdi: Un ballo in maschera
Eigentlich war es wie immer, wenn Johann Kresnik Oper inszeniert. Gerüchte über ein mögliches Skandalon, die im Vorfeld durchsickerten, geisterten als anrüchiges Gespenst durch die Lokalmedien, entpuppten sich dann aber, nüchtern betrachtet, doch nur als Gratisreklame. Auch in Erfurt kamen weder der Griff in die amerikakritische Klischeekiste noch die Verlegung des Maskenballs von Boston nach New York und schon gar nicht die mehr als dreißig Nacktstatisten vorgerückten Alters auch nur in die Nähe des Provokanten.
Und wenn man die mitgelieferten Kommentare über das Elend der Unter- und den Reichtum der Oberschicht, den ausdrücklichen Hinweis der verknappenden Übertitelung auf den 11. September oder auf die «Opfer des Konsumismus» nicht so wichtig nahm, wie es ihre Autoren tun, dann blieb selbst nach Kresniks Verfremdungsattacken und den mitunter ziemlich aufgesetzt wirkenden politischen Ausrufezeichen am Ende auch hier Verdi der Sieger.
Die Bühne wird von riesigen, geborstenen Betonteilen und Autowracks beherrscht. Rauch und Staub hängen in der Luft, ein Ölfass brennt vor sich hin, aus dem Schnürboden segeln immer wieder Kleidungsstücke herab, dreckverkrustete Menschen mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie sind zur Zeit gewissermaßen von Ihren Namensvettern umstellt: Vor Ihrem Partiedebüt mit dem Don Carlo di Vargas in «La forza del destino» im März an der Wiener Staatsoper sangen Sie im «Don Carlos» in Valencia den Rodrigo, Marchese di Posa: zwei ziemlich gegensätzliche Charaktere. Welcher der beiden ist Ihrem Herzen näher?
Haben Sie mehrere Kinder? Welches...
Auf Fotos und Zeichnungen wirkt Leos Janáceks Haarschopf, als sei er mit Starkstrom frisiert, und auch die Partitur von «Katja Kabanova» hat etwas Widerborstiges. In Kirill Petrenkos Partiturauslegung im Theater an der Wien freilich drängt das Grelle, Brutale nur in Ausnahmefällen aus dem Orchestergraben; man erlebt vielmehr ein differenziertes Spiel mit den...
Er ist ein Dirigent, der die Oper nie zu einer Lebensform oder zum Lebensinhalt gemacht hat. Und das, obwohl er im Schatten des Mailänder Teatro alla Scala aufwuchs. Als Siebenjähriger besuchte Claudio Abbado den Operntempel zum ersten Mal, erlebte dort später Victor de Sabata, Toscanini, die junge Callas. Und doch war für ihn, den Sohn eines Geigers und...
