Janácek: Katja Kabanova
Auf Fotos und Zeichnungen wirkt Leos Janáceks Haarschopf, als sei er mit Starkstrom frisiert, und auch die Partitur von «Katja Kabanova» hat etwas Widerborstiges. In Kirill Petrenkos Partiturauslegung im Theater an der Wien freilich drängt das Grelle, Brutale nur in Ausnahmefällen aus dem Orchestergraben; man erlebt vielmehr ein differenziertes Spiel mit den mannigfaltigen Farben, hört die stillen, träumenden Wasser der Wolga, aus denen auch motivisch in dieser Oper alles entsteht. Stille, von der die Ohren schmerzen. Dunkel ist die Wolga, ist der Tod.
Was der Komponist zur Figur der Katja vermerkte – sie sei eine junge Frau mit einem derart weichen Naturell, dass er befürchte, sie würde in der prallen Sonne schmelzen – greift Melanie Diener stimmlich mit zarter Verletzlichkeit auf. Verzückt reckt sie die Arme gen Himmel: wieder so eine, die ihr Glück in die Wolken wirft, bis hinauf zu den Sternen, die freilich nur Kälte zurückgeben. Konsequent ihre Selbstvernichtung – auch der Schwäche ihrer Männer wegen: Gatte Tichon (der solide Raymond Very) ist ein großer schlapper Lackl, und Liebhaber Boris in Gestalt von Robert Brubaker wirkt rollengemäß eher indifferent, in den Schatten ...
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