Sanfte Magie
Er ist ein Dirigent, der die Oper nie zu einer Lebensform oder zum Lebensinhalt gemacht hat. Und das, obwohl er im Schatten des Mailänder Teatro alla Scala aufwuchs. Als Siebenjähriger besuchte Claudio Abbado den Operntempel zum ersten Mal, erlebte dort später Victor de Sabata, Toscanini, die junge Callas. Und doch war für ihn, den Sohn eines Geigers und Konservatoriumsdirektors, neben dem eigenen Klavierspiel die Kammermusik aus Deutschland das prägende Kindheitserlebnis.
Man spielte im Elternhaus Sonaten, Trios, Quartette, Quintette von Haydn, Mozart und Beethoven, von Schumann, Mendelssohn und Brahms. Das Form- und Strukturdenken der deutschen Klassik und Romantik hat Abbado früh in sich aufgenommen. Nur folgerichtig, dass der junge Künstler nach dem Dirigierstudium in Wien und dem Mitropoulos-Wettbewerbssieg in New York nicht gleich in die Dirigentenkarriere einstieg, sondern erst einmal am Konservatorium von Parma als Kammermusiklehrer in Erscheinung trat.
Die Opernleidenschaft bricht sich später Bahn. Abbado «erobert» immerhin die zwei legendären Opernhäuser Europas, die Scala und die Wiener Staatsoper. Es sagt etwas über seine Affinität zur Moderne des 20. Jahrhunderts, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Welt der Wissenschaft ist ein Kerker: ein schachtartiges schwarzes Halbrund, das Doktor Faust von oben bis unten mit naturwissenschaftlichen Formeln vollgeschrieben hat. Die Welt tätigen Menschenlebens ist aber auch nicht viel besser: ein klinisch weißes Halbrund – ein Altenheim, wie sich herausstellt, eine jener Verwahranstalten, darin...
Es war 1968, da las Thomas Bernhard seine Erzählung «Der Hutmacher» im Deutschlandfunk. Als der ungarische Komponist József Sári den 2003 im Münchner Hörverlag erschienenen Mitschnitt hörte, war er von dessen Musikalität so fasziniert, dass er den Stoff dem Regensburger Intendanten Ernö Weil vorschlug, der ein Sujet für eine Auftragskomposition suchte. Franz Csiky...
Ein Novum: Philharmoniker (West) und Staatskapelle (Ost) spielen zeitgleich unter dem Chef des jeweils anderen Orchesters, sogar die Programme hat man abgestimmt. Der gemeinsame Nenner: Maurice Maeterlincks tristaneske Mär von «Pelléas et Mélisande». Daniel Barenboim dirigiert in der Philharmonie die berühmte Sinfonische Dichtung, die Schönberg, von Richard...
