Verdi-Dämmerung in Parma
Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht, der robustere amerikanische Bariton Cornell McNeil brach eine Vorstellung des «Maskenball» mit dem ins Auditorium geschleuderten Ruf «Basta, cretini!» kurzerhand ab.
Tempi passati.
Heute werden in Parma auch Sänger gefeiert, die ihre Parts eher schlecht als recht bewältigen. So der relativ junge Bassist Giacomo Prestia, der schon jetzt so stumpf und abgesungen klingt wie ein Siebzigjähriger, was zwar dramaturgisch, aber keineswegs musikalisch aus der Rolle des Silva zu legitimieren ist. Der Rest ist nur unwesentlich besser. Marco Berti muss Ernanis heroische Kraft regelrecht herbeistemmen und klingt nur in den Mezzavoce-Partien der Schlussszene einigermaßen entspannt. Susan Neves (Elvira) ist eine Freistilsängerin, die zwischenzeitlich durch schöne Piano-Phrasen überrascht, und Carlo Guelfi bringt für die Königspartie ...
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