Die Krankheit Angst

Michael Schulz geht in seiner Saarbrücker Inszenierung von Poulencs «Dialogues des Carmélites» der Frage auf den Grund, wie man die Furcht vor dem Tod überwinden kann

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Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder geht es ihnen um die unmittelbare Publikumswirkung anhaltender Erschütterung – um einen Schock, der aus der Musik selbst hervorgeht, wenn 16 Nonnen des Klosters in Compiègne das Schafott besteigen und die Guillotine i

m Orchester in unregelmäßigen Abständen messerscharf niederfährt? Was für den 17. Juli 1794 verbrieft ist, 1931 von Gertrud von Le Fort in die Novelle «Die Letzte am Schafott» gefasst und von George Bernanos 1948 zum Schauspiel «Dialogues des Carmélites» dramatisiert wurde, hat der französische Komponist 1957 in seiner Oper weiter kondensiert. In zwölf Stationen wird die kurze Geschichte der von Glaubenszweifeln zerrissenen (fiktiven) Novizin Blanche erzählt, über die Poulenc sagte: «C’est mois». Er spielt damit auf die autobiographische Bedeutung seines Dreiakters an – auf die Überwindung der Angst. Damit ist ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Lotte Thaler

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