Venus im Schlafrock

Johann Sigismund Kussers Oper «Adonis» erstmals auf CD

Opernwelt - Logo

Was das vom französischen Staat geförderte Centre de musique baroque de Versailles im großen Stil für die Wiederentdeckung der französischen Barockmusik leistet, findet hierzulande im Engagement des Osnabrücker cpo-Labels und seines Produzenten Burkhard Schmilgun für die deutschsprachige Barockoper seit Jahrzehnten zwar nur ein bescheidenes, aber dennoch rühmenswertes Gegenbild. Mit Johann Sigismund Kussers «Adonis» ist dort jetzt ein weiteres vergessenes Bühnenwerk erschienen. Der aus Bratislava stammende Kusser (1660–1727) gehört zu den Randfiguren der Musikgeschichte.

Man kennt den Lully-Schüler als Vertreter des neuen französischen Orchesterstils, den er neben Georg Muffat als Erster in Deutschland bekannt gemacht hat. Später betätigte er sich in Braunschweig, Hamburg und Stuttgart hauptsächlich als Opernkomponist. Sein Œuvre ist nur bruchstückhaft überliefert, alle seine 15 Opern sind bis auf zwei gedruckte Arien-Sammlungen verloren.

So war es ein Glücksfall, dass die neuseeländische Musikologin Samantha Owens in der Stuttgarter Landesbibliothek auf eine bis dahin gänzlich unbekannte Oper stieß, von der nicht nur die Gesangspartien und der basso continuo, sondern – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Doppelleben

Natürlich, der Text! Anders als beim «Rosenkavalier» und den darauf folgenden Opern hat Hugo von Hofmannsthal seine «Elektra» nicht für Strauss geschrieben, sondern für die Schauspielerin Gertrud Eysoldt. Der Text wartet nicht auf Musik. Er kämpft sich autonom vorwärts, was Klang, Rhythmus und Kraft betrifft. Er fordert neue Extreme der Empfindung. Es ist...

Plakat als Prinzip

So viel gereckte Fäuste, wütend im Widerstand gegen eine verkehrte Welt. Später dann, am zweiten Abend des zweiteiligen, von Krystian Lada arrangierten Verdi-Pasticcios an Brüssels La Monnaie: so viel Pistolengefuchtel wie lang nicht mehr gesehen; schließlich geht es ja um die Geschichten von ein paar Männern und Frauen, damals, 1968, und 40 Jahre danach. Zwischen...

Und man versteht sie auch

Die Prager Staatsoper ist ein Prunkstück des berühmten Wiener Architekturbüros Fellner & Helmer. Als Neues Deutsches Theater wurde das Haus 1888 eingeweiht, zur Eröffnung spielte man Richard Wagners «Meistersinger von Nürnberg». Angelo Neumann, der erste Direktor, zählt aufgrund seiner spektakulären Europatournee mit dem «Ring des Nibelungen» zu den zentralen...