Ein kleines Wunder

Schtschedrin: Nicht nur Liebe in Moskau

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Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große Aufmerksamkeit auf sich. Boris Pokrovsky, der seinerzeit gegen den Konservatismus des Bolschoi-Theaters ankämpfte und 1972 das Kammermusiktheater gründete, verstand seine Inszenierung auch als eine Art Initiation.

Die Neuproduktion der Oper im Moskauer Stanislawski- und Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater bildete eine große Neuheit in der russischen Hauptstadt. Zu danken war ihr Zustandekommen der Initiative von Felix Korobow, dem GMD des Hauses, der am Premierenabend auch am Pult stand und die zurückhaltende, oft intime, tiefschürfende Musik sorgfältig in jedem Takt ausbalancierte. Die ganze Tristesse, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit fand durch sein Dirigat gleichsam eine klingende Entsprechung.

Jewgenij Pisarews Inszenierung wirft in den ersten beiden Akten Fragen auf. Während das Bühnenbild von Maxim Obrezkov durch ...

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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Alexej Parin

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