Ein kleines Wunder
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große Aufmerksamkeit auf sich. Boris Pokrovsky, der seinerzeit gegen den Konservatismus des Bolschoi-Theaters ankämpfte und 1972 das Kammermusiktheater gründete, verstand seine Inszenierung auch als eine Art Initiation.
Die Neuproduktion der Oper im Moskauer Stanislawski- und Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater bildete eine große Neuheit in der russischen Hauptstadt. Zu danken war ihr Zustandekommen der Initiative von Felix Korobow, dem GMD des Hauses, der am Premierenabend auch am Pult stand und die zurückhaltende, oft intime, tiefschürfende Musik sorgfältig in jedem Takt ausbalancierte. Die ganze Tristesse, Verzweiflung und Aussichtslosigkeit fand durch sein Dirigat gleichsam eine klingende Entsprechung.
Jewgenij Pisarews Inszenierung wirft in den ersten beiden Akten Fragen auf. Während das Bühnenbild von Maxim Obrezkov durch ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Alexej Parin
Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...
Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten...
Im Dreigestirn der mitteldeutschen Barockmeister leuchtet sein Name am schwächsten: Georg Philipp Telemann war zu Lebzeiten ein Gigant, geliebt vom Publikum, geschätzt von seinen Dienstherren und bewundert für seine überbordende Produktivität. Heute rangiert er in der Popularitätsskala weit abgeschlagen hinter den einstigen Kollegen Händel und Bach. Von den...
