Varieté sans vérité
In seiner Begrüßungsrede versprach Barrie Kosky dem Publikum «zweieinhalb Stunden vollkommenen Blödsinns» – womit seine Inszenierung beinahe erschöpfend umschrieben ist. General Bumm und die adligen Kretins am Gerolsteiner Hof turnen im kugelrunden Distanzdress über die leere Bühne, die Slapsticks sind auch nicht durchweg haute couture, sondern oft von der Stange, und die Großherzogin ist eine Travestie-Diva und schnackt Norwegisch.
Na schön, vergnügen wir uns halt auf dem Niveau, so gut es geht in diesen traurigen Theatertagen.
Hochstapelei und Tiefenschwindel gibt es ja genug auf deutschen Bühnen; Kosky hält wieder einmal sein populäres Gegengift bereit: Queerness und Gender Comedy, bodenlosen Leichtsinn, gedankenloses Gekicher. Alles gut gemacht, sensationell gut, wenn man es zum ersten Mal erlebt. Auf die Dauer aber wird seine Regiesprache zur Marotte. Und die Dauer kann kurz sein, der Überdruss stellt sich ziemlich schnell binnen eines Stückes ein. Und führt dann unvermeidlich zur Frage: ist das schon alles? Ist die Operette wirklich so platt?
Nein, platt ist sie nur in ihrer Varieté-Version. Es braucht schon einen begnadeten Buffo wie Tom Erik Lie, um die Degradierung ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Volker Tarnow
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