Seufzende Hirten, blökende Herden

Eine glänzende Neuaufnahme seines Schäferspiels «Polifemo» macht auf den Opernkomponisten Giovanni Bononcini aufmerksam

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Der aus Modena stammende Giovanni Bononcini (1670–1747) war Händels wichtigster Kollege und Rivale während seines ersten Londoner Opernunternehmens in den 1720er-Jahren. Einem zeitgenössischen Pamphletisten zufolge drücke Händels Musik «den Zorn von Tyrannen, die Leidenschaften der Helden und die Nöte der Liebenden im heroischen Stil» aus, die Bononcinis dagegen «seufzende Hirten, blökende Herden, zwitschernde Vögel und murmelnde Bäche im Hirtenton.

» Händel «wärmt uns bei Frost und Schnee», Bononcini «dagegen umfächelt uns in den Hundstagen mit einer italienischen Brise und wiegt uns sanft wispernd in den Schlaf.»

Das könnte direkt von Bononcinis Hirtenoper «Polifemo» gesagt sein, die 2019 bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci aufgeführt wurde (siehe OW 8/2019) und jetzt als Mitschnitt bei Sony auf CD erschienen ist. Komponiert hat Bononcini den Einakter im Auftrag der preußischen Königin Sophie Charlotte während seines Berliner Aufenthalts 1702, gespielt wurde er – mit der Königin am Cembalo – im Schloss Charlottenburg. Der einäugige plumpe Riese Polifemo ist eifersüchtig auf das verliebte Schäferpaar Galatea und Aci, die verschlagene Zauberin Circe ihrerseits auf Glaucos ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert

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