Utopisches Liebesglück
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in diesem komischen Ballet héroïque getrieben werden.
Es sollte Rameaus ein halbes Jahr zuvor in Paris gegebenem Ballet bouffon «Platée» den Rang ablaufen – eine pièce bien faite des höchst versatilen Louis Fuzelier, der als Entrepreneur auch auf den Jahrmärkten zuhause war und dort mit komischen Stücken wie etwa «Arlequin Enée ou La Prise de Troie» reüssiert hatte. Fuzelier lieferte, im Gegensatz zum zusammengebastelten Libretto der «Platée» mit seinen groben Witzen, eine elegante, souverän mit Sprachhöhen spielende Vorlage für die sinnlich-flüssige Musik einer neuen Generation, deren souveränster Vertreter Mondonville war. Komik entsteht hier nicht aus der bisweilen derben Karikatur, sondern aus der Konfrontation souverän beherrschter Stil-Lagen. Wie in einer Tragédie lyrique beginnt der erste Akt mit Momos’ pathetischer ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Klaus Heinrich Kohrs
Sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können!» Die Devise des Buddenbrook-Patriarchen, die er an die kommenden Generationen weiterreicht, klingt bei dessen Schöpfer so, als wolle der Hausherr ein Kaufmann mit Anstand sein. In der Oper von Ludger Vollmer («nach Thomas Mann») wird sie statt einer Ouvertüre...
Als Daniel Ott und Manos Tsangaris 2016 die «Münchener Biennale für neues Musiktheater» übernahmen, gab es erst einmal ein großes Aufatmen. Nicht dass Peter Ruzicka, der unmittelbare Vorgänger, keine erfolgreiche Arbeit geleistet hätte. In seiner Ära brachte die Biennale einige Werke zur Uraufführung, die tatsächlich das leisteten, wonach Ruzicka stets suchte: die...
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper...
