Utopisches Liebesglück
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in diesem komischen Ballet héroïque getrieben werden.
Es sollte Rameaus ein halbes Jahr zuvor in Paris gegebenem Ballet bouffon «Platée» den Rang ablaufen – eine pièce bien faite des höchst versatilen Louis Fuzelier, der als Entrepreneur auch auf den Jahrmärkten zuhause war und dort mit komischen Stücken wie etwa «Arlequin Enée ou La Prise de Troie» reüssiert hatte. Fuzelier lieferte, im Gegensatz zum zusammengebastelten Libretto der «Platée» mit seinen groben Witzen, eine elegante, souverän mit Sprachhöhen spielende Vorlage für die sinnlich-flüssige Musik einer neuen Generation, deren souveränster Vertreter Mondonville war. Komik entsteht hier nicht aus der bisweilen derben Karikatur, sondern aus der Konfrontation souverän beherrschter Stil-Lagen. Wie in einer Tragédie lyrique beginnt der erste Akt mit Momos’ pathetischer ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Klaus Heinrich Kohrs
Die Flüge nach Rio, Caracas, sogar nach Salzburg? Alle gecancelt. Und die Stimmung im Terminal? Bestens. Was weniger an den Gutscheinen für die Bar liegt, sondern am Zeitvertreib während der Wartezeit. Zwei Männer spielen Fußball, die Melodien von Ferrando und Guglielmo auf den Lippen. Eine mondäne Frau betrauert mit «Porgi amor» ihre Beziehung, zum ersten...
Noten und Töne, die schriftliche Fixierung von Musik wie ihre klingende Realität im Dialog zwischen Interpret und Hörer, sind nicht identisch. «Weder enthält Geschriebenes je alles, was Musik ausmacht», schreibt George Steiner, «noch ist sie je ‹so und nicht anders›.» Musik, das «unterbrochene Schweigen» (Steiner), ist vielmehr immer anders. Keine Aufführung...
Die Artikulation funktioniert anfangs nicht. Noch sind es nur Vokalisen in hoher Lage – wie es eben so klingt, wenn man Jahrhunderte lang in einem arktischen Eisblock eingefroren war. Und auch später, mit wiedergewonnener Sprache, wird sich Ice, so nennt sich die aufgetaute Frau, meist oberhalb des Notensystems bewegen. Es ist ein Fang der geheimnisvollen Art, den...
