Utopisches Liebesglück
Kann man die Langeweile von dort verbannen, wo sie geboren wurde? Der Parnass war ihre Wiege» – das lässt Jean-Joseph Cassanéa de Mondonvilles Librettist den Gott der Schmähsucht, Momus, gleich im ersten Akt des «Carnaval du Parnasse» fragen. Und damit ist der Startschuss gefallen für einen tollen, die Langeweile vertreibenden Wirbel, in den Götter und Musen in diesem komischen Ballet héroïque getrieben werden.
Es sollte Rameaus ein halbes Jahr zuvor in Paris gegebenem Ballet bouffon «Platée» den Rang ablaufen – eine pièce bien faite des höchst versatilen Louis Fuzelier, der als Entrepreneur auch auf den Jahrmärkten zuhause war und dort mit komischen Stücken wie etwa «Arlequin Enée ou La Prise de Troie» reüssiert hatte. Fuzelier lieferte, im Gegensatz zum zusammengebastelten Libretto der «Platée» mit seinen groben Witzen, eine elegante, souverän mit Sprachhöhen spielende Vorlage für die sinnlich-flüssige Musik einer neuen Generation, deren souveränster Vertreter Mondonville war. Komik entsteht hier nicht aus der bisweilen derben Karikatur, sondern aus der Konfrontation souverän beherrschter Stil-Lagen. Wie in einer Tragédie lyrique beginnt der erste Akt mit Momos’ pathetischer ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Klaus Heinrich Kohrs
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine...
Drei Novitäten pro Saison herauszubringen, war das Minimum, als Alexander Zemlinsky Musikdirektor des «Neuen Deutschen Theaters» (der heutigen Staatsoper) in Prag war. Novität meint: ein Stück, das noch nie zuvor am Haus gespielt worden war. Meistens war das ein Werk, das druckfrisch aus dem Verlag kam. Gerade einmal vier Monate nach der Uraufführung brachte...
Lieber Herr de Mallet Burgess – Cincinnati, Westaustralien, Neuseeland, nun Helsinki: Ihr Weg als Opernmanager liest sich sehr ungewöhnlich.
Stimmt, und er hat schon ungewöhnlich angefangen: Nach dem Studium in Oxford wollte ich Regie lernen, besonders in England bestand damals aber kaum die Möglichkeiten dazu. Also befolgte ich einen Ratschlag von Peter Brooks:...
