Männer sind schlicht: David Pomeroy (Tannhäuser); Foto: Bernd Uhlig
Urfassung
Man muss erfinderisch sein im Kölner Staatenhaus, einer einstigen Messehalle, mit der die Kölner Oper während der skandalös sich hinschleppenden Sanierung ihres Stammhauses bis mindestens 2023 vorlieb nehmen muss. Die Eröffnungspremiere der jungen Spielzeit deutet zumindest an, dass man inzwischen bühnentechnisch kreativer und akustisch souveräner mit den Verhältnissen umgeht.
Das Gürzenich-Orchester spielt beim «Tannhäuser» gut sichtbar in einer Art Erdloch, das ein Meteorit gewaltsam in den rauen Bühnenboden gerissen haben könnte.
Mächtige Leuchtquader türmen sich auf der Bühne von Darko Petrovic und bewegen sich manchmal mitten durchs Orchester; eine Metallbrücke führt direkt übers Dirigentenpult von François-Xavier Roth. Der akustische und ästhetische Effekt dieser Konstellation ist verblüffend: Die Sänger an der Rampe haben die Musik meist im Rücken, wirken erstaunlich textverständlich, müssen weniger Druck geben. Und Roth lässt sein Orchester nur selten klangsatt auftrumpfen, meist sensibel begleiten. Was auch dem fantastisch homogenen und messerscharf artikulierenden Opernchor entgegenkommt.
Auf den Pulten liegt die Uraufführungsversion von 1845: eine Musik aus dem Geiste ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die zukunftsweisende Idee einer Salle Modulable als neuem Stadttheater in Luzern ist in den Wogen des politischen Tagesgeschäfts untergegangen. Dessen ungeachtet treibt Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival, die schrittweise Erweiterung des von ihm geleiteten Konzertfestivals in Richtung Musiktheater weiter voran. Dies zum einen in Zusammenarbeit mit...
Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...
Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht...
