Im Sinkflug: Jenna Siladie (Gutrune); Foto: Theater/Jens Grossmann
Starke Brüche
Selbst Richard Wagner ist inzwischen nicht mehr sicher vor der Dekonstruktion. Was lange schon im Sprechtheater Alltag ist, in der Oper aber lange tabu war, hält nun auch dort Einzug – demnächst etwa schraubt Tatjana Gürbaca im Theater an der Wien Wagners «Ring» neu zusammen. In Wuppertal wurde jetzt der dritte Akt der «Götterdämmerung» mit Teilen von Heiner Goebbels’ «Surrogate Cities» verklammert.
Eine weitere kühne Tat des kleinen Hauses, das seit dem furiosen Phönix-aus-der-Asche-Neustart unter der Intendanz von Berthold Schneider mit bescheidenen Mitteln immer wieder starke Akzente setzt.
Tatsächlich gelingt mit dieser scheinbar kruden Paarung ein erhellender Abend, der Wagner keineswegs beschädigt, sondern irritierend schlüssig andockt an Goebbels’ pulsierenden Metropolensound. Und ist dieser nicht sogar eine Fortschreibung der Nibelheim-Geräuschmusik im «Rheingold»? Das ist die erste Assoziation, die sich aufdrängt, wenn es mit Passagen aus «Surrogate Cities» losgeht. Das Orchester sitzt gestaffelt: die Streicher auf dem überbauten Orchestergraben, Bläser und Schlagzeuger hinter der Spielfläche, was eine Art Bayreuth-Effekt der natürlichen Dämpfung ergibt. Auf der schmalen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Harnisch, Sie haben zwei kleine Kinder, Familie und sind viel auf Reisen – wie bekommen Sie das unter einen Hut?
Die Begegnung mit meinem Mann, der nichts mit Musik zu tun hat, und die Geburt meiner Kinder waren das Beste, was mir passieren konnte. Erst seit ich Mutter bin, habe ich wirklich verstanden, was das Singen für mich bedeutet. Der Familienalltag hat...
Eigentlich – das weiß jeder Wagnerianer – geht es im «Ring» mit der «Walküre» erst so richtig zur Sache, und so war man in Oldenburg denn auch gespannt, wie Regisseur Paul Esterhazy und sein Ausstatter Mathis Neidhardt die Versprechungen ihres im «Rheingold» als besonders originell erscheinenden Konzepts weiterentwickeln würden. Man erinnert sich: «Der Welt Erbe»,...
Klassische Helden haben keinen guten Leumund mehr. In der Antike genügte es, aus Ehrsucht möglichst viele Menschen beliebig zu erschlagen, und schon war man wer. Unserem heutigen Heldenbild entspricht eher der kürzlich verstorbene Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der 1983 die Welt rettete, indem er auf einen vermeintlichen atomaren Angriff der Amerikaner nicht...
