Im Sinkflug: Jenna Siladie (Gutrune); Foto: Theater/Jens Grossmann
Starke Brüche
Selbst Richard Wagner ist inzwischen nicht mehr sicher vor der Dekonstruktion. Was lange schon im Sprechtheater Alltag ist, in der Oper aber lange tabu war, hält nun auch dort Einzug – demnächst etwa schraubt Tatjana Gürbaca im Theater an der Wien Wagners «Ring» neu zusammen. In Wuppertal wurde jetzt der dritte Akt der «Götterdämmerung» mit Teilen von Heiner Goebbels’ «Surrogate Cities» verklammert.
Eine weitere kühne Tat des kleinen Hauses, das seit dem furiosen Phönix-aus-der-Asche-Neustart unter der Intendanz von Berthold Schneider mit bescheidenen Mitteln immer wieder starke Akzente setzt.
Tatsächlich gelingt mit dieser scheinbar kruden Paarung ein erhellender Abend, der Wagner keineswegs beschädigt, sondern irritierend schlüssig andockt an Goebbels’ pulsierenden Metropolensound. Und ist dieser nicht sogar eine Fortschreibung der Nibelheim-Geräuschmusik im «Rheingold»? Das ist die erste Assoziation, die sich aufdrängt, wenn es mit Passagen aus «Surrogate Cities» losgeht. Das Orchester sitzt gestaffelt: die Streicher auf dem überbauten Orchestergraben, Bläser und Schlagzeuger hinter der Spielfläche, was eine Art Bayreuth-Effekt der natürlichen Dämpfung ergibt. Auf der schmalen ...
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