Unterm Kreuz
Kein Unbekannter und doch ein Debütant: Jean-Christophe Maillot ist von Hause aus Choreograf. Als solcher hat er schon einmal, in seiner Heimatstadt Tours, an einer Inszenierung des vieraktigen «Faust» von Charles Gounod mitgearbeitet: eine Erfahrung, die möglicherweise seine erste Opernregie nachhaltiger beeinflusst, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Der Tod des Valentin, bekennt der Direktor der Ballets de Monte-Carlo, entspricht dem Bild, das ihn an seinen sterbenden Vater erinnert. Der hatte seinerzeit das Bühnenbild der Aufführung entworfen.
Am Hessischen Staatstheater ist Rolf Sachs mit von der Partie, und der Designer und Objektkünstler (ein Sohn von Gunther Sachs) konzentriert den Konflikt auf wenige Requisiten, die in dem meist leeren, aber wandelbaren Raum eine geradezu beängstigende Bedeutung gewinnen. Das Kreuz, bühnenhoch und lichtdurchlässig, wird mehr und mehr zu einem Ort, an dem sich die Geister scheiden. Mal wirft es einen riesenhaften Schatten auf die Szene, wenn Mephisto seine Spielchen treibt, mal weitet es sich glühend rot zum Raum, in dem sich schemenhaft die scheinbar nackten Körper von Faust und Margarete sündig vereinen. Zum «X» gekippt, ...
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Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert. Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio...
Wenn Sänger Regie führen – auch und gerade solche, die selbst gute Darsteller sind –, haben sie nicht zwangsläufig ein überzeugendes Regiekonzept. Aber Franz Grundheber liefert auf Dirk Immichs zeitloser, wellenförmig wogender Bühne ein fein herausgearbeitetes, detailgenaues Rollenporträt, für das ihm mit Johannes M. Kösters ein versierter Hauptdarsteller zur...
Natürlich gehört die Stadt Bayreuth zu den öffentlichen Geldgebern, die das Wagner’sche Sommertheater auf dem Grünen Hügel unterstützen. Es geht ums Renommee und um jenen Hauch von Weltläufigkeit, von dem man in Oberfranken ein ganzes Jahr zehrt – bis die Fanfaren zu den nächsten Festspielen blasen. Ein Opernensemble oder ein Profiorchester, das von September bis...
