Julia Faylenbogen (Adalgisa) und Miriam Clark (Norma) in Mannheim; Foto: Hans Jörg Michel

Unterm Lebensbaum

Bellini: Norma Mannheim | Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Im vergangenen März überraschte Markus Bothe am Nationaltheater Mannheim mit einer originellen szenischen Umsetzung von Monteverdis «Ulisse» (siehe OW 5/2017). Diesmal ist ihm und seinem Bühnenbildner Robert Schweer zur Saisoneröffnung mit Bellinis «Norma» leider nur ein naiver Naturalismus eingefallen. Auf der weit nach vorne gezogenen Spielfläche breitet eine knorrige alte Eiche, umfasst von Sandsäcken – wir befinden uns im Krieg der Gallier mit der römischen Besatzungsmacht –, ihre belaubten Äste aus.

Normas, im Souterrain gelegene Wohnung wird von der Untermaschinerie hochgefahren. Unterm Lebensbaum der Gallier huldigt die Oberpriesterin der «keuschen Göttin»;  in ihrem Erdkeller pflanzt sie junge Eichen und versteckt dort auch die beiden Kinder, die der heimlichen Verbindung mit Pollione entstammen. Doch der römische Anführer liebt bereits eine andere, die junge Novizin Adalgisa.

Von diesem Psychodrama und seinen Konflikten, die Bellinis Musik bis zum kataklystischen Finale antreibt, ist bei Bothe nichts zu spüren. Die Solisten sind sich selbst überlassen, orientieren sich meist an der Rampe. Normas seelischer Zwiespalt, ihr Spagat zwischen Amt und verbotener Liebe, bleibt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Ein Märchen von Hoffnung und Not

Dass ein Regisseur während der Produktion hinwirft oder erkrankt, kommt im Risikogeschäft Theater hin und wieder vor. Dass er die Arbeit gar nicht erst aufnehmen kann, weil er sich einem Justizverfahren ausgesetzt sieht, hat es wohl noch nie gegeben. Kirill Serebrennikov, der 2015 an der Oper Stuttgart eine sensationelle «Salome» inszenierte und 2016 an der...

Eine Art Außenwelt

Auch nach der Rückkehr der Berliner Lindenoper ins Stammhaus bleibt die Programmschiene der Schillertheater-Werkstatt mit neuesten Kammeropern erhalten. Die «Neue Werkstatt» befindet sich im Intendanzgebäude und ersetzt den Charlottenburger Hinterhofcharme durch modernisierten Klassizismus: strenge Säulen einerseits, variables Raumkonzept andererseits.

Eröffnet...

Segen der Technik

Ein gutes Foto, sagt Werner Kmetitsch, kann jeder schießen, auch in der Oper. «Das ist mit der heutigen Technik kein Problem mehr.» Aber eine komplette Produktion zu fotografieren, Szene für Szene, stets verlässlich auf demselben hohen Niveau – das mache den Unterschied zwischen Hobby- und Profifotografen aus. Und Profi wollte Werner Kmetitsch eigentlich nie...