Extremfall: Der Förster (Peter Schöne) als mädchenschändender Dorfpolizist in der Coburger Inszenierung von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka - mit Saskia Fruntke (Terynka), Michael Lion (Pfarrer), David Zimmer (Schulmeister) und Kinderchor; Foto: Theater/ Henning Rosenbusch
Waldphilosophie
Natur, Heimat, Seele – vermintes Motivterrain, vor allem auch im Theater, das, was idealtypische politisch-kulturelle correctness betrifft, gerne ganz vorne an steht. Das macht die aktuellen «Freischütz»-Aufführungen auch so interessant und überraschend: Man kann sich im Voraus kaum so recht ausmalen, was sich die szenografischen Interpreten wieder ausgedacht haben. Bieder und gemütlich wie einst – das wäre nun wirklich eine Überraschung.
Sogar Ernst Jünger hatte als einen seiner Decknamen für Hitler den «Oberförster» parat und gab sich damit den Anstrich einer rechtsintellektuell spöttischen Aufgeklärtheit, wobei er bezeichnenderweise die Dämonie aus der Wolfsschlucht- und Samielsphäre herüberzog ins Vertraute und Trauliche, zu den Landleuten, den Jägern, den Soldaten, den obrigkeitlich legitimierten Totschießern, ja, an den warmen Busen Agathens und Ännchens als den Schwestern von Eva Braun. So hatte man für den «Freischütz» und seinen traditionellen Status als deutsche Nationaloper die passende Umgebung.
Mit ihrer Wald- und Wildhaltigkeit reicht die Weberoper in ähnliche Dimensionen wie der zweite «Siegfried»-Akt oder wie Humperdincks «Hänsel und Gretel». Wald und Tiere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hans-Klaus Jungheinrich
«Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding.» Für ihre 2001 erschienenen Lebenserinnerungen wählte Hilde Zadek diesen zentralen Satz der «Rosenkavalier»-Marschallin, ihrer Lieblingspartie, die sie in der ganzen Welt gesungen hat. «Was ist die Zeit, und warum ist sie ein sonderbar’ Ding?», fragt die Sängerin in ihrem Buch und spricht dann von den verschiedenen Phasen...
Stéphane Lissner, Herr über die Opéra national de Paris, musste lange bangen um seine vielleicht wichtigste Premiere in dieser Saison. Die Ankündigung von Massenstreiks gegen die Reformpolitik des neuen Präsidenten Emmanuel Macron drohte das große Ereignis platzen zu lassen. Doch schließlich blieb die Opéra Bastille verschont, zogen Tausende Demonstranten eine...
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von...
