Extremfall: Der Förster (Peter Schöne) als mädchenschändender Dorfpolizist in der Coburger Inszenierung von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka - mit Saskia Fruntke (Terynka), Michael Lion (Pfarrer), David Zimmer (Schulmeister) und Kinderchor; Foto: Theater/ Henning Rosenbusch
Waldphilosophie
Natur, Heimat, Seele – vermintes Motivterrain, vor allem auch im Theater, das, was idealtypische politisch-kulturelle correctness betrifft, gerne ganz vorne an steht. Das macht die aktuellen «Freischütz»-Aufführungen auch so interessant und überraschend: Man kann sich im Voraus kaum so recht ausmalen, was sich die szenografischen Interpreten wieder ausgedacht haben. Bieder und gemütlich wie einst – das wäre nun wirklich eine Überraschung.
Sogar Ernst Jünger hatte als einen seiner Decknamen für Hitler den «Oberförster» parat und gab sich damit den Anstrich einer rechtsintellektuell spöttischen Aufgeklärtheit, wobei er bezeichnenderweise die Dämonie aus der Wolfsschlucht- und Samielsphäre herüberzog ins Vertraute und Trauliche, zu den Landleuten, den Jägern, den Soldaten, den obrigkeitlich legitimierten Totschießern, ja, an den warmen Busen Agathens und Ännchens als den Schwestern von Eva Braun. So hatte man für den «Freischütz» und seinen traditionellen Status als deutsche Nationaloper die passende Umgebung.
Mit ihrer Wald- und Wildhaltigkeit reicht die Weberoper in ähnliche Dimensionen wie der zweite «Siegfried»-Akt oder wie Humperdincks «Hänsel und Gretel». Wald und Tiere ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hans-Klaus Jungheinrich
Die Liste der bemerkenswerten Händel-Einspielungen wächst, die Repertoirelücken füllen sich langsam. Dafür sorgen nun auch die Neuaufnahmen von «Ottone», dem Erfolgsstück aus Händels erster Londoner Academy 1723, und «Il trionfo del Tempo e del Disinganno». Vom «Trionfo» gibt es im Handel zwar gut ein halbes Dutzend CD-Aufnahmen, aber mit der Neuproduktion vom...
Der Titel dieses Doppelalbums ist nicht zu hoch gegriffen. Der Niederländer und Wahlösterreicher Robert Holl, der am 10. März seinen 70. Geburtstag feierte und auf dem Podium nach wie vor aktiv ist, zählt zu den bedeutendsten Interpreten des deutschen Liedes; auch seine großen Opernrollen (Sachs, Gurnemanz) haben von diesen Erfahrungen profitiert. Wie sein Lehrer...
Auch nach der Rückkehr der Berliner Lindenoper ins Stammhaus bleibt die Programmschiene der Schillertheater-Werkstatt mit neuesten Kammeropern erhalten. Die «Neue Werkstatt» befindet sich im Intendanzgebäude und ersetzt den Charlottenburger Hinterhofcharme durch modernisierten Klassizismus: strenge Säulen einerseits, variables Raumkonzept andererseits.
Eröffnet...
