Totenklage: Ivi Karnezi (Elisabeth von Valois), Foto: Thomas M. Jauk/StagePicture
Unterkühlt
Es gibt solche Abende. Sie folgen, im Bemühen, ein Werk neukritisch zu befragen, einem hohen, hehren hermeneutischen Ziel, beginnen aber mit einem fatalen Missverständnis, von dem sie sich lange Zeit nicht mehr erholen: zu spät die Peripetie ins szenisch Plausibel-Packende. Der «Don Carlo» in Braunschweig, in der revidierten italienischen Fassung inklusive Fontainebleau-Akt, ist ein solcher Abend.
Wie schade, dass die unverstellte Liebe nicht mehr möglich ist zwischen dem spanischen Infanten und Elisabeth von Valois, die doch Initial der Oper ist.
Es macht schlechterdings keinen Sinn, wenn Hector Sandoval und Ivi Karnezi ihre romantischen Gefühle füreinander, die Giuseppe Verdi im rossinigetünchten Des-Dur-Duett besingt (zumal, wenn die Musik auf illuminiertes E-Dur-Terrain stürmt), als einstudiertes Konzert samt Notenständer simulieren müssen – er im steifen Smoking (was leider mit seinen vokalen wie schauspielerischen Kapazitäten korreliert), sie als blondes Püppchen (Kostüme: Adriana Braga Peretzki). Wozu dient der Sarkasmus? Zweifelt Regisseurin Andrea Moses an der Wahrheit dieser (und anderer) Empfindungen?
Fast scheint es so. Denn im Stil der verfremdeten Entzauberung ...
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