Aus dem Nähkästchen
Auch die Bewohner von Elfenbeintürmen wollen wissen, was draußen in der Welt geschieht. Und so sei heute aus dem Nähkästchen geplaudert. Wenn die neue Nummer der «Opernwelt» im Briefkasten liegt, schaue ich gleich, was Christopher Gillett in seiner launigen Glosse zu erzählen hat. Und staune, was sich Auftraggeber im Operngeschäft alles herausnehmen. Im Vergleich dazu lebt ein Hochschullehrer im reinen Luxus, Stichwort: «Freiheit der Wissenschaft».
Doch Forschung lebt von ihrer Verbreitung.
Deshalb beteilige ich mich sehr gerne an dem, wofür im Italienischen das hässliche Wort «volgarizzazione» («Vulgarisierung») steht. Beim Schreiben eines Programmheftessays für eine Opernaufführung, eines Booklet-Textes für die Tonträgerindustrie (soweit dort überhaupt noch Booklets gestaltet werden) oder eines Beitrags für das «Opernwelt»-Jahrbuch kommen nicht nur frische Ideen. Der Zwang, möglichst allgemeinverständlich zu formulieren, schärft die (Forschungs-)Fragen und gibt neue Impulse für die wissenschaftliche Arbeit.
Nur: Was ist allgemeinverständlich? Da gibt es mit manchen Auftraggebern auch einmal längere und unangenehme Auseinandersetzungen. Notenbeispiele? Nein, das geht gar nicht. ...
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Opernwelt November 2017
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 81
von Anselm Gerhard
alpha
01.11. – 20.15 Uhr
Jansons dirigiert Verdi – Messa da Requiem
Mariss Jansons ist bekannt für seine akribische Kenntnis der Partitur und die tiefe seelische Verbundenheit zu einem Werk, die er unmittelbar an die Musiker weitergeben kann. Zu Ehren des 200. Geburtstags von Giuseppe Verdi hat er 2013 mit dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks...
Kürzlich stieß ich im «New Yorker» auf einen Beitrag über Toscanini. Als der Dirigent in den 1920ern Chef der Scala war, las ich dort, bestand das Repertoire zu 35 bis 40 Prozent aus nagelneuen Stücken. Meine Frau und ich stellen gerade eine Stiftung auf die Beine, die Kompositionsaufträge finanzieren soll – da mutet uns die Vorstellung paradiesisch an. Man stelle...
Es gibt solche Abende. Sie folgen, im Bemühen, ein Werk neukritisch zu befragen, einem hohen, hehren hermeneutischen Ziel, beginnen aber mit einem fatalen Missverständnis, von dem sie sich lange Zeit nicht mehr erholen: zu spät die Peripetie ins szenisch Plausibel-Packende. Der «Don Carlo» in Braunschweig, in der revidierten italienischen Fassung inklusive...
