Unterdrückt
Die heilige Jungfrau schweigt. Überlebensgroß, wie ein Mahnmal, thront sie als festlich gekleidete Puppe in der Mitte des leeren weißen, von Bernd Purkrabek sensibel ausgeleuchteten Raums, ein flammend rotes, dornenumkränztes Herz in der Linken, den bedeutsamen Hochzeitsschleier in der Rechten. Neben ihr, im Wasser, liegt eine Nackte, vermutlich entstammt sie dem Reich der Liebesgöttin Venus; sie wird sich im Verlauf der Szene jedoch in eine Vestalin verwandeln.
Und vorn, an der Rampe, steht die Angeklagte, Julia, weißgewandet wie die leinenbetuchten Mauern, die sie umschließen (Bühne: Katrin Connan). Für sie allein hat Gaspare Spontini diese schmerzensreiche, zugleich seraphische Musik geschrieben (die wohl auch Richard Wagner im Ohr hatte, als er Elisabeths Ges-Dur-Gebet im «Tannhäuser» komponierte). Eine Bravourarie, die als arioses Larghetto espressivo in Es-Dur beginnt, im wiegenden Sechsachteltakt und – mit größter Dezenz – bereits im zarten Orchestervorspiel zwei musikalische Figuren exponiert, die Julias grande scène begleiten werden: hier ein in den Streichern geführtes fragendes Sechzehntel-Motiv, dort ein in Achtel gefügter Horn-Ruf (ist’s Licinius, der Geliebte?), der ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Orlando revisited
Virgina Woolfs «Orlando»-Roman gehört zu den Schlüsseltexten im geistigen Kosmos der der Komponistin Olga Neuwirth. Ihr gleichnamiges Musiktheater auf den Stoff hat sie im Auftrag der Wiener Staatsoper geschrieben. Dirigent der Uraufführungsproduktion ist Matthias Pintscher (auf dem Foto beim Studium der Partitur)
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Schon mal was von ASMR gehört? Wir auch nicht. Autonomous Sensory Meridian Response – so nennt die Medizin eine Körperreaktion, die sich wie ein wohliges Kribbeln auf der Haut anfühlt. Manchmal wird es durch eine leichte Berührung ausgelöst, manchmal durch den Tonfall einer Stimme oder ein Geräusch. Was da genau passiert und warum, ist wissenschaftlich bislang...
JUBILARE
Nicholas McGegan erhielt seine Ausbildung in Cambridge und Oxford, anschließend lehrte er am Royal College in London. Von 1991-2011 prägte er als Künstlerischer Leiter das Profil der Händel-Festspiele Göttingen. McGegan stand am Pult der Philharmoniker von New York, Los Angeles und Hongkong, der Symphonieorchester von Chicago, Milwaukee, St. Louis,...
