Unterdrückt

Spektakuläre Ausgrabung: Gaspare Spontinis verkanntes Meisterwerk «La Vestale» am Theater an der Wien, in Johannes Eraths bildmächtiger Inszenierung, stilbewusst dirigiert von Bertrand de Billy

Opernwelt - Logo

Die heilige Jungfrau schweigt. Überlebensgroß, wie ein Mahnmal, thront sie als festlich gekleidete Puppe in der Mitte des leeren weißen, von Bernd Purkrabek sensibel ausgeleuchteten Raums, ein flammend rotes, dornenumkränztes Herz in der Linken, den bedeutsamen Hochzeitsschleier in der Rechten. Neben ihr, im Wasser, liegt eine Nackte, vermutlich entstammt sie dem Reich der Liebesgöttin Venus; sie wird sich im Verlauf der Szene jedoch in eine Vestalin verwandeln.

Und vorn, an der Rampe, steht die Angeklagte, Julia, weißgewandet wie die leinenbetuchten Mauern, die sie umschließen (Bühne: Katrin Connan). Für sie allein hat Gaspare Spontini diese schmerzensreiche, zugleich seraphische Musik geschrieben (die wohl auch Richard Wagner im Ohr hatte, als er Elisabeths Ges-Dur-Gebet im «Tannhäuser» komponierte). Eine Bravourarie, die als arioses Larghetto espressivo in Es-Dur beginnt, im wiegenden Sechsachteltakt und – mit größter Dezenz – bereits im zarten Orchestervorspiel zwei musikalische Figuren exponiert, die Julias grande scène begleiten werden: hier ein in den Streichern geführtes fragendes Sechzehntel-Motiv, dort ein in Achtel gefügter Horn-Ruf (ist’s Licinius, der Geliebte?), der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Unterhaltsam

Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...

Was kommt... Januar 2020

Orlando revisited
Virgina Woolfs «Orlando»-Roman gehört zu den Schlüsseltexten im geistigen Kosmos der der Komponistin Olga Neuwirth. Ihr gleichnamiges Musiktheater auf den Stoff hat sie im Auftrag der Wiener Staatsoper geschrieben. Dirigent der Uraufführungsproduktion ist Matthias Pintscher (auf dem Foto beim Studium der Partitur)

Zurück in die Zukunft
Jacques...

Unerbittlichkeit der Mikrofone

Dass der Wagner-Novize Valentin Schwarz 2020 in Bayreuth den «Ring des Nibelungen» inszenieren soll, war ebenso eine Überraschung wie die Nominierung des musikalischen Leiters Pietari Inkinen. Der Finne, geboren 1980, hat den «Ring» immerhin schon dirigiert, 2013 im aus­tralischen Melbourne. Eine Vorstellung von Künftigem bietet nun eine CD mit dem gekürzten...