Unter Paul Klees Sternen
Roman Brogli-Sacher, Lübecks seit Neuestem auch Regie führender GMD, ist nicht der Erste, der die Korrespondenz der «Salome»-Partitur zur bildenden Kunst entdeckt hat, aber er hat mit dem von Ulrike Radichevich zum Bühnenbild umfunktionierten Gemälde «Ad Parnassum» von Paul Klee eine besonders überzeugende Trouvaille vorgestellt: ein Bild von einer die Musik gleichsam ins Optische umsetzenden differenzierten Farbigkeit, abstrakt in seiner Grundanlage, aber doch Möglichkeiten zu konkreten Assoziationen bietend, die – wie die bildbeherrschende Gestirnsscheibe – eine Verbindung herst
ellen zu Oscar Wildes Libretto.
Statt nun aber aus diesem neu gewonnenen bildnerischen Ansatz Kapital zu schlagen für die szenische Umsetzung des Werks, lässt Brogli-Sacher das Stück in altgewohnter Gestik ablaufen. Er buchstabiert es sozusagen textgetreu durch, nicht ohne dass ihm dabei Biederes, Spannungsloses, bisweilen Peinliches unterläuft: Wie etwa Salome, Jochanaans Leib begehrend, den Propheten umhüpft, das grenzt schon fast an unfreiwillige Komik, und wie sie, mit Schleiern behängt, die Hüften wiegend, zu ihrem berühmten Tanz antritt, passt eher zur satirischen Sicht der Kálmán’schen «Bajadere» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...
Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde....
Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt...
