Tempi passati
In einer Zeit, in der echte Verdi-Sänger ebenso selten geworden sind wie echte Vertreter des Wagner-Fachs, greift der Sammler gern zu alten Mitschnitten und nimmt dabei sogar ein unbefriedigendes Klangbild in Kauf – wie in jenem «Otello» aus Buenos Aires, der nun vom Istituto Discografico Italiano erstmals legal veröffentlicht wird. Ramón Vinay, ein epochaler Darsteller der Titelrolle, war 1958 bereits hörbar auf dem Weg zurück zum Bariton, doch sein Rollenporträt hat nach wie vor vulkanische Kraft.
In Giuseppe Taddeis ebenso stimm- wie ausdrucksstarkem Jago findet er einen ebenbürtigen Partner. Die junge Antonietta Stella ist als Desdemona noch weitgehend frei von Diven-Manierismen und deshalb eine überzeugende Besetzung. Sir Thomas Beechams Dirigat verbindet die Kontraste von ausladendem Lyrismus und dramatischem Feuer. Das Orchesterspiel ist nur mittelklassig, der Klang des Mitschnitts über weite Strecken verzerrt.
Trotz des ebenfalls nur mäßigen Orchesterspiels hat die von Mario Rossi routiniert dirigierte Vorstellung des «Simon Boccanegra», im gleichen Jahr in Neapel mitgeschnitten, starke musiktheatralische Momente und ist vor allem als Dokument der jungen Leyla Gencer von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sah nach Erfolgsrezept aus. Hatte der Schweizer Regisseur Jarg Pataki doch in der vergangenen Spielzeit am Theater Freiburg gleich mehrere Publikumsmagnete (siehe OW 5/2008) verantwortet: Kafkas «Prozess», Puccinis «Madama Butterfly» und vor allem die spartenübergreifende Produktion von Ibsens «Peer Gynt» mit Griegs kongenialer Schauspielmusik. Dort war es zumal...
Dallas wird in der Popkultur gern als Hauptstadt der Öl-Barone porträtiert. Ganz im Gegensatz zu diesem Klischee hat der vom Öl herrührende Reichtum aus Dallas während der letzten Jahre zunehmend eine Kulturstadt gemacht. Nicht erst mit dem Morton H. Meyerson Symphony Center, entworfen von dem berühmten Architekten I. M. Pei, mit dem Kimball Art Museum und unlängst...
Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt...
