Ein Traum – das Leben
Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat alles zusammengeklaubt, was die finstere Renaissance an Mord und Totschlag hergab. Der Name Borgia ist Programm. Und er ließ sich prächtig implantieren in die affektierte Düsternis der französischen Romantik.
Wenn Donizetti das Ganze mit Harfenglitzern und melodischer Edeldiskretion beleuchtet, wird es kaum logischer. Oder doch?
Christof Loy versucht auf der leeren, nur aus abgenutztem Bretterboden und einer halbhohen Rückwand mit den neonbeleuchteten Lettern der Titelfigur bestehenden Bühne gar nicht erst, eine Geschichte mit Anfang und Ende zu erzählen. Er nimmt den aktlangen Prolog als das, was er ist: eine Richtmarke für alles Folgende. Lucrezia und ihr Sohn Gennaro begegnen sich in einer Art Traumspiel. Nicht wirklich, aber eben doch viel scheuer, zärtlicher, wahrer, als es in der Realität je möglich wäre. Bei (fast) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...
Mit ihrem Rosenkavalier werde die Musikwelt «stimmlich und darstellerisch auch in besonderen Fällen rechnen können», prophezeite die Grazer «Tagespost» am 9. November 1949 nach dem sensationellen Debüt der erst 25-jährigen Hertha Töpper im dortigen Opernhaus. Und in der Tat: Der Octavian wurde die zentrale, wurde die Schicksalspartie in der Karriere der...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
