Nebensonnen

Er singt nicht nur britische Raritäten des 20. Jahrhunderts oder zeitgenössisches Musiktheater. Auch als Liedinterpret ist Roderick Williams (*1965) hochgeschätzt: Tausende lauschten im Radio seinem Recital mit Werken von Brahms, Schubert und den Schumanns aus Londons Wigmore Hall – einem der ersten Livekonzerte nach dem Shutdown. Eine andere Leidenschaft des Baritons: das Komponieren

Opernwelt - Logo

Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?

Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im Grundschulalter Musik-Profi – als Chorkraft im Dauereinsatz.
Das stimmt.

Wenn’s auch für mich nicht ganz so intensiv war, mein Chor sang nur zweimal die Woche in der Messe. Meine Brüder wuchsen auch in der Chortradition auf – und heute sind es mein Neffe und meine Nichte. Inzwischen gibt es diese Möglichkeit ja zum Glück auch für Mädchen. Jedenfalls sah ich als Teenager im Chor des Merton College in Oxford einige der älteren Jungs Musikerkarrieren einschlagen. Da beschlich mich schon der Gedanke: Mensch, muss das schön sein! Trotzdem bezog ich das nie auf mich, ich weiß nicht, warum. Für mich war klar, dass ich in einem Klassenzimmer stehen würde – und ich traf alle Entscheidungen entsprechend. Ich arbeitete dann erst mal an der Tiffin School.

Die meisten Musikstudenten kommen aus teuren Privatschulen. Tiffin ist eine der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Ensemblekultur stärken

Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.

Aus voller Fahrt ausgebremst, stellte...

Alles im Fluss

Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...

Wagner zum Lesen

«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen...