Uns kriegt nichts unter!
Die größte Herausforderung, die es für Hänsel und Gretel in Engelbert Humperdincks Oper zu bewältigen gilt, ist nicht die böse Frau aus dem Wald, sondern überhaupt die Not des Lebens: Hunger, Armut, Verlassenheit. Erst im letzten Drittel des Stücks taucht die Knusperhexe auf, die in der Vorlage der Brüder Grimm noch Drehpunkt des Märchens ist. Bei Humperdinck und seiner textdichtenden Schwester Adelheid Wette ist die Hexe dagegen ein eher komisch als wirklich bedrohlich anmutender Fluchtpunkt der Handlung.
Viel eindrücklicher ist, wie die Figuren zuvor den Zumutungen des Lebens ausgesetzt sind und wie sie sie meist spielerisch bewältigen: mit Durchhaltevermögen, mit Humor, mit der Kraft der Phantasie und mit Gottvertrauen. «Hänsel und Gretel», so könnte man heute sagen, ist die große Oper der Resilienz: Hier werden Bewältigungsstrategien vorgeführt, von denen uns manche abhanden gekommen sind.
Dagmar Manzel, Schauspielerin, Sängerin und neuerdings auch Regisseurin, bringt das an der Komischen Oper Berlin nun anrührend auf die Bühne. Mit dem Kindermusical «Pippi Langstrumpf» auf Musik Franz Wittenbrinks hatte die Lieblingsdarstellerin Barrie Koskys vor zwei Jahren einen umjubelten ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Clemens Haustein
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen...
