Uns kriegt nichts unter!
Die größte Herausforderung, die es für Hänsel und Gretel in Engelbert Humperdincks Oper zu bewältigen gilt, ist nicht die böse Frau aus dem Wald, sondern überhaupt die Not des Lebens: Hunger, Armut, Verlassenheit. Erst im letzten Drittel des Stücks taucht die Knusperhexe auf, die in der Vorlage der Brüder Grimm noch Drehpunkt des Märchens ist. Bei Humperdinck und seiner textdichtenden Schwester Adelheid Wette ist die Hexe dagegen ein eher komisch als wirklich bedrohlich anmutender Fluchtpunkt der Handlung.
Viel eindrücklicher ist, wie die Figuren zuvor den Zumutungen des Lebens ausgesetzt sind und wie sie sie meist spielerisch bewältigen: mit Durchhaltevermögen, mit Humor, mit der Kraft der Phantasie und mit Gottvertrauen. «Hänsel und Gretel», so könnte man heute sagen, ist die große Oper der Resilienz: Hier werden Bewältigungsstrategien vorgeführt, von denen uns manche abhanden gekommen sind.
Dagmar Manzel, Schauspielerin, Sängerin und neuerdings auch Regisseurin, bringt das an der Komischen Oper Berlin nun anrührend auf die Bühne. Mit dem Kindermusical «Pippi Langstrumpf» auf Musik Franz Wittenbrinks hatte die Lieblingsdarstellerin Barrie Koskys vor zwei Jahren einen umjubelten ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Clemens Haustein
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
Vorn, am linken Bühnenrand, liegt, schlafend, das Tier. Ein Kojote. Der aber zum Glück kein echter Kojote ist – die wolfsähnlichen Steppenwölfe gelten als gefährlich. Dieser ist erstens nicht echt, sondern ein Mensch in Glitzerkleidung mit hochhackigen Schuhen und als Kojote maskiert (der Choreograph des Abends, Ivan Estegneev), er ist zweitens auch ein Freund der...
Becketts Figuren sind ausnahmslos erschöpft und ausgelaugt Wartende, im Grunde ähneln sie den Figuren Tschechows. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Während Tschechows Figuren auf etwas warten, das in der Zukunft liegt (aber nie erscheinen wird), warten Becketts Figuren nur noch auf das Ende. Sie haben jede Hoffnung, es würde sich in ihrem Leben noch etwas...
