Unglück der Erinnerung
Der Held ist absent. Hat sich aus dem Staub gemacht, kurz bevor es ernst zu werden drohte. Nichts wird es nun mit der anberaumten Hochzeit zwischen ihm, Parsifals Sohn, und der edlen Jungfrau Elsa. Leer geräumt steht die Hochzeitsvilla, leer geräumt ist Elsas Seele. Und wie leer geräumt sind auch die Klänge, die durch die hohen Räume vagieren, ausgehöhlt, geräuschhaft und doch: insistierend. Klänge sind es, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und eben dorthin auch wieder streben. Klänge, die vom Abschied erzählen und vom Irresein.
Es ist eine beklemmende Szenerie, die in der azione invisible per solista, strumenti e voci «Lohengrin» von Salvatore Sciarrino imaginiert wird. Fern jeder romantischen Verschwendungssucht, bewegt sich die Musik, 1982 komponiert und 1984 veröffentlicht, wie ein Schatten durch die Welt; ein sehr schmaler Schatten. «Lohengrin», das vielleicht spektakulärste Bühnenwerk Sciarrinos, verweigert sich einer epischen Erzählweise. Es ist radikale Reduktion, musikalisch wie szenisch. Das Sich-nicht-Ereignen ist das Programm dieses Anti-Musiktheaters, sein Kern, auf dieser Verweigerungshaltung fußt das dramaturgische Konzept: «Die Töne», so Sciarrino, «sind ...
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Mit Spannung war das Regiedebüt des Tenors José Cura erwartet worden. Und der erste Akt beginnt auch durchaus vielversprechend: Graf Riccardo zeigt sich als moderner Autokrat, der seine Mitarbeiter am großen Konferenztisch antreten lässt und unter einem riesigen Porträt seiner selbst (in jungen Jahren) den Regierungsgeschäften nachgeht. Er hat es trotz seiner...
Vielreisende in Sachen Oper kennen das: Manches von dem, was ihnen auf der Bühne begegnet (zumindest in den zum Kanon gezählten Werken des Musiktheaters), erscheint in Momenten oder gar ganzen Szenen wie etwas, das schon mal da war – so oder ähnlich. Ein leises Raunen und Flüstern ist dann zu bemerken, eine unterschwellig entrüstete Unruhe – wir wollen es der...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
