Paradoxer Fall
Schon der Beginn der Oper klingt verheißungsvoll: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmischer Elastizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt.
Der gute Eindruck wird von der ersten Szene bestätigt: Boaz Daniel, den Wiener Opernliebhabern seit Langem als große Hoffnung seines Fachs bekannt, führt sich als Marcello mit virilem Timbre, sprechender Artikulation und hörbarer Lust an der Differenzierung zwischen Parlando und Kantilene ein. Rolando Villazón tut es ihm gleich, obwohl schon in seiner ersten Phrase («Nei cieli bigi») deutlich zu hören ist, dass er zur Zeit der Aufnahme (April 2007) stimmlich nicht in guter Verfassung war. In dieser wie auch in der folgenden Szene, wenn sich die beiden anderen Freunde hinzugesellen, fällt diese Einschränkung freilich kaum ins Gewicht, auch deshalb, weil ihm und Daniel mit dem stimmlich voluminösen Vitalij Kowaljow als Colline und dem eher elegant agierenden Stéphane Degout als Schaunard zwei Sänger von Eigenart und idealem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...
Kein New York-Besuch ist wirklich gelungen ohne einen Abend im Lincoln Center. Seit seiner Eröffnung vor fünfzig Jahren gilt es als das amerikanische Zentrum für Musik, Oper, Schauspiel und Tanz. Insgesamt zwölf Organisationen (von der Juilliard School bis zur Metropolitan Opera, dem New York City Ballet über die New York Philharmonic bis zur School of American...
Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Uraufführung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über...
