Ungeahnt authentisch
Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden möglich wäre. Schließlich herrschen auch in seiner Geburtsstadt derzeit Abstandsregeln, die Sänger, Pantomimen und Kleindarsteller mithilfe von die eigenen Extremitäten verlängernden Roboterarmen artig erfüllen.
Der Umgang mit Nähe und Distanz wird auch am Theater Bonn in der Neuinszenierung von Mauricio Kagels «Staatstheater» thematisiert. Freilich nicht als wohlfeil aktualitätsheischendes Additivum, sondern als der Musik zwischen den Notenzeilen abgelauschte Dialektik. Negation der Oper als Gattung wie als Institution schwebte dem Deutsch-Argentinier für seine einst von Rolf Liebermann in Auftrag gegebene Novität vor, die dann zur skandalumwitterten Uraufführung nur durch Polizeischutz störungsfrei über die Bühne der Hamburgischen Staatsoper gehen konnte. 49 Jahre später und zwölf Jahre nach dem Tod des Wahl-Kölners aus ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Peter Krause
«Ein Verbrechen, das einem die Krone bringt, ist keines.» Fast beiläufig lässt Lottario, der Enkel Karls des Großen, im Rezitativ diese Bemerkung fallen. Ein Credo – nicht nur seines, sondern dieser ganzen schrecklichen Familie, überhaupt all jener, deren Macht- und Besitzgeilheit sie über Leichen steigen lässt. Der Erste verröchelt schon am Boden, während George...
Das Beethoven-Jahr hat es erneut zutage gefördert: Das 19. Jahrhundert lastet immer noch auf uns. Mag die Rezeption ihn auch «ent-titanisiert» haben, so bleibt er doch Galionsfigur einer deutsch geprägten Hochkultur; nicht zuletzt nach der Devise, dass «große Männer» nun einmal Geschichte schreiben – und «starke» zumal die Geschicke der Nationen bestimmen, wie...
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein,...
