«in das schweigen hineinschreien»
Das Beethoven-Jahr hat es erneut zutage gefördert: Das 19. Jahrhundert lastet immer noch auf uns. Mag die Rezeption ihn auch «ent-titanisiert» haben, so bleibt er doch Galionsfigur einer deutsch geprägten Hochkultur; nicht zuletzt nach der Devise, dass «große Männer» nun einmal Geschichte schreiben – und «starke» zumal die Geschicke der Nationen bestimmen, wie derzeit allenthalben zu erleben. Doch Nationalismus und Heroenkult sind nur die eine Seite.
Eben den Doppelcharakter hat Thomas Mann im ersten Satz seines großen Wagner-Essays von 1933 grandios exponiert: «Leidend und groß, wie das Jahrhundert, dessen vollkommenster Ausdruck sie ist, das neunzehnte, steht die geistige Gestalt Richard Wagners mir vor Augen.» Nicht auf die Grandeur kommt es an, die Verletzungen sind erst recht bedeutsam. Also wieder einmal: Wagner und kein Ende. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Die Irritationen und Wundmale bleiben. Aber: Kann man Vergangenes vergegenwärtigen?
Resümees, ja Revisionen sind immerhin möglich, zumindest nachträglich neuartige Perspektiven, sogar auf die klassischen «Meister». Doch als solchen ließe sich ein Multi-Künstler wie Christoph Schlingensief gewiss zuallerletzt ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Essay, Seite 48
von Gerhard R. Koch
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Die Bühne für «Das große Welttheater», ein musikalisches Schauspiel für Sänger, Schauspieler und Musiker nach Pedro Calderón de la Barca, in der Regie von Calixto Bieito, mit dem ich seit 2006 zusammenarbeite, zeigt, was mir viel bedeutet: die Verbindung von Raum, Bewegung und Musik. Und wie kraftvoll diese Synergie wirken kann. Der Raum nicht als statischer Ort,...
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