«in das schweigen hineinschreien»
Das Beethoven-Jahr hat es erneut zutage gefördert: Das 19. Jahrhundert lastet immer noch auf uns. Mag die Rezeption ihn auch «ent-titanisiert» haben, so bleibt er doch Galionsfigur einer deutsch geprägten Hochkultur; nicht zuletzt nach der Devise, dass «große Männer» nun einmal Geschichte schreiben – und «starke» zumal die Geschicke der Nationen bestimmen, wie derzeit allenthalben zu erleben. Doch Nationalismus und Heroenkult sind nur die eine Seite.
Eben den Doppelcharakter hat Thomas Mann im ersten Satz seines großen Wagner-Essays von 1933 grandios exponiert: «Leidend und groß, wie das Jahrhundert, dessen vollkommenster Ausdruck sie ist, das neunzehnte, steht die geistige Gestalt Richard Wagners mir vor Augen.» Nicht auf die Grandeur kommt es an, die Verletzungen sind erst recht bedeutsam. Also wieder einmal: Wagner und kein Ende. Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Die Irritationen und Wundmale bleiben. Aber: Kann man Vergangenes vergegenwärtigen?
Resümees, ja Revisionen sind immerhin möglich, zumindest nachträglich neuartige Perspektiven, sogar auf die klassischen «Meister». Doch als solchen ließe sich ein Multi-Künstler wie Christoph Schlingensief gewiss zuallerletzt ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Essay, Seite 48
von Gerhard R. Koch
Das Jahr 1875 war ein bedeutendes in der Geschichte der französischen Oper. Am 5. Januar wurde das Palais Garnier eingeweiht, bis 1989 der größte Theaterbau der Welt; knapp zwei Monate später fand die Uraufführung von Bizets «Carmen» statt. Paris erhielt einerseits eine Stätte, an der sich eine spezifisch nationale Gesangkultur tradieren ließ, andererseits belebte...
arte
02.11. – 05.00 Uhr
Miranda, frei nach Shakespeare & Purcell
Die britische Regisseurin Katie Mitchell hat sich mit ihren Opernkreationen binnen weniger Jahre in ganz Europa einen Namen gemacht. Nicht zuletzt auch dank ihrer Zusammenarbeit mit dem französischen Musiker Raphaël Pichon. Nach der Inszenierung von «Pelléas et Mélisande» brachte das Künstlerduo 2017...
Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den...
