Unfassbar
Unter den Namen, die für die Nachfolge Stéphane Lissners, des 2021 scheidenden Intendanten der Pariser Opéra national, gehandelt werden, tauchte auch der ihrige immer wieder auf. Vermutlich war sie die einzige Frau, die eine echte Chance hatte, an die Spitze der bedeutendsten staatlichen Institution des französischen Musiklebens berufen zu werden. Eine Deutsche als Chefin des Palais Garnier und der Opéra Bastille? Im Fall dieser polyglotten, den Künsten leidenschaftlich zugewandten Europäerin erübrigte sich eine solche Frage.
Zumal ihr ein exzellenter Ruf als vielfältig begabte, ideenreiche Anwältin eines geschichtsbewussten, aus dem Heute gedachten Musiktheaters vorauseilte, das geistesgegenwärtig unterhaltsam verzaubert.
Von der Wertschätzung, die sie nicht nur bei Sängern und Dirigenten, Regisseuren und Dramaturgen, sondern auch in den eher unsichtbaren Gewerken des Betriebs genoss, hat Eva Kleinitz nie viel Aufhebens gemacht. Und schon gar nicht gehörte sie zu jenen, die vor allem die Beförderung der eigenen Karriere im Auge haben. Erst 2017 trat sie an der Opéra national du Rhin in Straßburg ihre erste Intendanz an – und ließ sogleich mit einem profilierten Programm ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Erinnerung, Seite 63
von Albrecht Thiemann
Krisenzeiten haben ihre eigene Dynamik. Wenn der Blick in die Zukunft sich trübt, die Gegenwart undurchschaubar wirkt, nur die Verklärung einer «heilen» Vergangenheit Halt zu bieten scheint, drohen konkrete Sorgen und diffuse Ängste das Prinzip Hoffnung und die Lust auf Morgenrot im grauen Nebel eines alle kreativen Ideen lähmenden Notstandsbewusstseins zu...
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
