Groß und klein
Prekäre Arbeit als Sujet hat auf der Opernbühne Tradition: Während jedoch Don Giovannis Diener Leporello seine Klage über die ungeregelten Arbeitszeiten überaus beredt formuliert, schuften die geknechteten Nibelungen im «Rheingold» wortlos unter Tage. Der zeitgenössischen Spielart dieser zeitlosen Form von Ausbeutung widmet sich Peter Eötvös’ Kammeroper «Der Goldene Drache» (auf Roland Schimmelpfennigs Libretto nach seinem gleichnamigen Schauspiel), die 2014 in Frankfurt uraufgeführt wurde und nun, als bereits vierte Produktion, in Krefeld herauskam.
Das knapp 95-minütige Werk nimmt sich mit buffonesker Spielfreude des Themas illegaler Arbeit in der Gastronomie an; den titelgebenden Namen trägt ein billiger Asia-Imbiss irgendwo in der westlichen Welt. In 21 kurzen Szenen mit insgesamt 17 Figuren, die von nur fünf Ensemblemitgliedern verkörpert werden, wird dort ein Panorama der alltäglichen Dramen entblättert. Gespielt wird in Krefeld auf der Bühne, auf nur 120 Plätzen rückt das Publikum dem Geschehen nahe. Dietlind Konold hat mit viel Sinn für authentische Details eine winzige Kombüsenküche aufgebaut; ein Laufsteg führt von dieser weg in den Raum und deutet weitere Spielorte an, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
Die Frage nach dem feurigen Engel ist keine, die durch Magie, Wissenschaft oder Theologie beantwortet werden kann. Er ist Symbol, genauer: projizierter Fixstern im jungen Leben Renatas. In Kindertagen war er ihr (einziger?) imaginierter Spielkamerad, in der Pubertät mutierte er zum angstbesetzten, unkontrollierbaren Zerrbild körperlicher Begierden. Dämonisierte...
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch...
