Unersättlich
Ein verhetzter Auftritt, ein Geheimtreffen in tiefer Nacht. Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung und markiert den Fall von Plácido Domingo. Man schreibt den 24. Oktober 2009, Tatort ist die Bühne der Berliner Staatsoper. Ein tiefer Fall für den Star, sogar ein Rückfall – vom Tenor zum Bariton, zu jener Stimmlage, mit der alles begann. Das Debüt als Verdis Simon Boccanegra, als Mann, dessen Freunde auf einem dunklen Genueser Platz die Ausrufung als Volkstribun aushecken, all dies eröffnet Domingo die Sechstkarriere.
Den jugendlichen Zarzuela-Trällerer, den Tenorissimo, den Dirigenten, Intendanten und Operalia-Nachwuchsförderer und nun den baritonalen Silberrücken, alles muss man dafür zusammenrechnen.
Wie viele Rollen Domingo gesungen hat und wie oft, das weiß er wohl selbst nicht so ganz genau. Und mag auch die Diskussion, wer denn nun der legendärste, wichtigste, größte Jahrhunderttenor sein mag, auf ewig offenbleiben, der Titel als eloquentester, fleißigster, omnipräsentester ist Domingo sicher. Morgens Aufnahmesitzung im Studio, abends Live-Auftritt zwei Flugstunden entfernt, nicht nur ausnahmsweise ist das vorgekommen. Dabei trifft der Tatbestand der Unersättlichkeit ...
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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Markus Thiel
JUBILARE
Rockwell Blake debütierte 1976 am Kennedy Center in Washington als Lindoro in Rossinis «L’italiana in Algeri». 1981 wurde er in derselben Rolle an der Seite von Marilyn Horne als Isabella an der New Yorker Metropolitan Opera gefeiert. Blake zählte zu den führenden Rossini-Sängern seiner Generation. Die bedeutendsten Erfolge errang er in Europa, vor allem...
Wie relevant die Oper für Italiens Gesellschaft ist, zeigt sich in jedem Jahr am 7. Dezember. Es ist der Tag des Mailänder Stadtheiligen Ambrosius, das Teatro alla Scala eröffnet die Spielzeit mit der mondänsten Veranstaltung des ganzen Landes. Wer Geld, Geltung oder Geltungsbedürfnis hat, wer gesehen werden möchte und andere sehen will, reist für diesen Abend an....
Man sieht es und denkt bei sich sogleich: Alter Schwede! Ganz schön gewagt, diese Nummer, und ziemlich deftig – gewissermaßen ungeschminkt. Violetta Valéry schlendert als Domina in weißen Strapsen und High Heels übers Parkett, und das noble Pariser Amüsiervolk hat sich gleich komplett entblößt, um der Wollust in größtmöglicher Freizügigkeit zu frönen. Von wahrer...
