Unersättlich

Eine kritische Würdigung zum offiziellen 80. Geburtstag von Plácido Domingo

Ein verhetzter Auftritt, ein Geheimtreffen in tiefer Nacht. Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung und markiert den Fall von Plácido Domingo. Man schreibt den 24. Oktober 2009, Tatort ist die Bühne der Berliner Staatsoper. Ein tiefer Fall für den Star, sogar ein Rückfall – vom Tenor zum Bariton, zu jener Stimmlage, mit der alles begann. Das Debüt als Verdis Simon Boccanegra, als Mann, dessen Freunde auf einem dunklen Genueser Platz die Ausrufung als Volkstribun aushecken, all dies eröffnet Domingo die Sechstkarriere.

Den jugendlichen Zarzuela-Trällerer, den Tenorissimo, den Dirigenten, Intendanten und Operalia-Nachwuchs­förderer und nun den baritonalen Silberrücken, alles muss man dafür zusammenrechnen.

Wie viele Rollen Domingo gesungen hat und wie oft, das weiß er wohl selbst nicht so ganz genau. Und mag auch die Diskussion, wer denn nun der legendärste, wichtigste, größte Jahrhunderttenor sein mag, auf ewig offenbleiben, der Titel als eloquentester, fleißigster, omnipräsentester ist Domingo sicher. Morgens Aufnahmesitzung im Studio, abends Live-Auftritt zwei Flugstunden entfernt, nicht nur ausnahmsweise ist das vorgekommen. Dabei trifft der Tatbestand der Unersättlichkeit ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Markus Thiel

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