Aus Leidenschaft geboren

Klein, aber fein. Und innovativ. Die Stockholmer Folkoperan sucht auch unter ihrem neuen Intendanten Tobias Theorell nach konstruktiven Lösungen in der Krise

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Man sieht es und denkt bei sich sogleich: Alter Schwede! Ganz schön gewagt, diese Nummer, und ziemlich deftig – gewissermaßen ungeschminkt. Violetta Valéry schlendert als Domina in weißen Strapsen und High Heels übers Parkett, und das noble Pariser Amüsiervolk hat sich gleich komplett entblößt, um der Wollust in größtmöglicher Freizügigkeit zu frönen. Von wahrer Liebe keine Spur, hier geht es doch wohl eher um die Ware Liebe. Fehlt eigentlich nur noch Lilo Wanders als kokett-spitzzüngige Moderatorin.

Leider ist die Szene nur digital, ein typisches Kunstwerk im Zeitalter der Corona-technischen Reproduktion. Und dazu Schnee von gestern. Die Premiere von Verdis «La traviata» in der Folkoperan ging bereits 2015 über die Bühne. Seinerzeit wurde Mellika Melouani Melanis Inszenierung – die ursprünglich bereits im Herbst 2014 herauskommen sollte, wegen eines Wasserschadens aber um ein Jahr verschoben werden musste – heiß diskutiert in den Straßen von Stockholm. Doch weniger aus Gründen der Prüderie. Ganz im Gegenteil: Offenheit, Gelassenheit, Transparenz ist Trumpf in der schwedischen Kapitale. Gleichwohl waren viele Zuschauer der dezidierten Meinung, dem Stück werde durch die ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 22
von Jürgen Otten

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