Unerbittlichkeit der Mikrofone

Kühle Präzision, nostalgische Beschwörung, Scheitern am Material: Andrés Orozco-Estrada und Pietari Inkinen offenbaren die Tücken der Wagner-Interpretation

Dass der Wagner-Novize Valentin Schwarz 2020 in Bayreuth den «Ring des Nibelungen» inszenieren soll, war ebenso eine Überraschung wie die Nominierung des musikalischen Leiters Pietari Inkinen. Der Finne, geboren 1980, hat den «Ring» immerhin schon dirigiert, 2013 im aus­tralischen Melbourne. Eine Vorstellung von Künftigem bietet nun eine CD mit dem gekürzten dritten «Siegfried»-Akt. Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie, deren Chef Inkinen seit 2017 ist.

Der ernüchternde Eindruck: Man sollte die Erwartungen nicht allzu hoch ansetzen, so undramatisch, ja zurückgelehnt klingt das Vorspiel, so gemächlich rollt Wotans Wutsturm heran. Von in Tönen gefasstem Donner keine Spur. Da knarzt kein Bühnenbretterboden, weht kein Orkan durch die Kulissen, obgleich in Saarbrücken wacker musiziert wird, nur den Streichern fehlt etwas Fett auf germanischen Rippen.

Es wird nicht besser, wenn Stefan Vinke die Szene betritt. Klar, welcher Intendant wäre nicht froh, einen Siegfried zu engagieren, der mit Tenor-Kraft und langem Atem bis zum rumpelnden Finale durchhält. Allein: Live im Opernhaus mag sich manches versenden, doch Mikrofone sind unerbittlich, halten schlampige Dynamik, grobe Attacke, ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Götz Thieme