Editorial Januar 2020
Am schönsten klingt das Wort im Italienischen: «Coraggio!», das ist wie eine leidenschaftliche Aufforderung zum Tanz, zum sinnlich befreiten Vergnügen. Vergleichsweise distinguiert gibt sich dagegen das englische «courage»; eine Spur eleganter erscheint das französische Pendant in der gleichen Schreibweise.
Während den Gelehrten aller Nationen, platonisch überwölbt, der lateinische Begriff («sapere audere») überlassen bleibt, müssen sich die Anhänger der deutschen Sprache mit der knackigsten, allerdings auch unpoetischsten aller Übersetzungen begnügen: «Mut», das duftet im Grunde nach nichts (obwohl Schuberts gleichnamiges Lied aus der «Winterreise» dies sehr wohl tut), das ist eher wie der stattliche Imperativ aus dem Munde eines preußischen Junkers. All das spielt letztlich aber nur eine untergeordnete Rolle. Denn um den Inhalt hinter dem Begriff geht es. Um die Fähigkeit, mutig zu sein in der Kunst, das Andere zu wagen, das Außergewöhnliche zu versuchen, das Ungesehene und Unerhörte zugänglich zu machen. Und gerade was Letzteres angeht, haben sich die Opernhäuser zwischen Wien und Paris, Schwetzingen und Koblenz, Bergamo und Weimar einiges einfallen lassen in der jüngsten ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Schon in wilhelminischer Zeit, lange vor der sogenannten sexuellen Revolution der 1960er-Jahre, gab es Bestrebungen, die prüde Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche durch Propagierung einer neuen Freikörperkultur zu überwinden. Auch die 1916 bis 1924 entstandene und 1926 in Warschau erstmals vorgestellte Oper «Król Roger» von Karol Szymanowski kreist um diese...
Herr Reinvere, wie sind Sie eigentlich auf das Thema «Beethovens Tochter» gestoßen?
Auslöser meines Interesses war sein berühmter Brief an die «Unsterbliche Geliebte» aus dem Jahr 1812. Wenn man sich fragt, welche Frau die Adressatin dieses Briefes gewesen sein könnte, begegnet man sehr schnell Josephine Brunsvik, jener aus einem ungarischen Adelsgeschlecht...
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner...
