Editorial Januar 2020

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Am schönsten klingt das Wort im Italienischen: «Coraggio!», das ist wie eine leidenschaftliche Aufforderung zum Tanz, zum sinnlich befreiten Vergnügen. Vergleichsweise distinguiert gibt sich dagegen das englische «courage»; eine Spur eleganter erscheint das französische Pendant in der gleichen Schreibweise.

Während den Gelehrten aller Nationen, platonisch überwölbt, der lateinische Begriff («sapere audere») überlassen bleibt, müssen sich die Anhänger der deutschen Sprache mit der knackigsten, allerdings auch unpoetischsten aller Übersetzungen begnügen: «Mut», das duftet im Grunde nach nichts (obwohl Schuberts gleichnamiges Lied aus der «Winterreise» dies sehr wohl tut), das ist eher wie der stattliche Imperativ aus dem Munde eines preußischen Junkers. All das spielt letztlich aber nur eine untergeordnete Rolle. Denn um den Inhalt hinter dem Begriff geht es. Um die Fähigkeit, mutig zu sein in der Kunst, das Andere zu wagen, das Außergewöhnliche zu versuchen, das Ungesehene und Unerhörte zugänglich zu machen. Und gerade was Letzteres angeht, haben sich die Opernhäuser zwischen Wien und Paris, Schwetzingen und Koblenz, Bergamo und Weimar einiges einfallen lassen in der jüngsten ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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