Mit Kinderaugen
Der Anlass verlangte nach dem Einsatz aller Mittel: die Hochzeit von Ludwig XIV. mit Maria Teresa von Spanien. Also wurde bei Francesco Cavalli eine spektakuläre Oper in Auftrag gegeben, mit allen Effekten, die die Bühnentechnik 1662 hergab. Uraufgeführt wurde «Ercole Amante» in einem für die Vorstellung extra errichteten Saal der Pariser Tuileries, wo die Musik angesichts des optischen Overkills allerdings beinahe unterging.
Eine solche Gefahr bestand in der Opéra Comique nicht, wo dieses Juwel nun wieder zu bestaunen war: Die Akustik der Salle Favart bewährte sich einmal mehr als optimal für barockes Repertoire, zumal die Wiedergabe in den Händen eines Experten wie Raphaël Pichon lag. Orchester und Chor des Ensembles Pygmalion spielten so prachtvoll wie subtil, fanden die ideale Mischung aus italienischem Glanz und französischem Feingefühl, die diese durch und durch europäische Musik auszeichnet.
Wie geht man heute mit dem Maschinentheater des 17. Jahrhunderts um? Valérie Lesort und Christian Hecq, denen am selben Ort schon der Erfolg von Aubers «Le Domino noir» zu verdanken war, geben eine interessante Antwort. Da kaum noch jemand an die Heroen der antiken Mythologie glaubt, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Christian Merlin
Nomen ist hier für einmal nicht omen, denn es ist keineswegs ein Fischen nach Komplimenten, das Adam Fischer – der am 9. September 2019 70 Jahre alt wurde – am Ende des Buchs betreibt, wenn er unter dem Titel «Und das hätte ich gesagt?» feststellt, er habe sich quasi durch diese Biografie selbst mehr zu schätzen gelernt. Nicht ohne Ironie schreibt er, Autor...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
Wer dieses Stück ansetzt, sollte wissen, warum. Tatsächlich hat Jens-Daniel Herzog an seinem Haus Solisten und Barockspezialisten zur Hand, für die die über 350 Jahre alte Oper Francesco Cavallis eine schöne Herausforderung und Spielwiese ist. Szenisch bleiben bei «La Calisto» allerdings ein paar Fragezeichen. Natürlich empfiehlt es sich heutzutage, den obersten...
