«Und lieblich brüllt das Ostervieh»
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat. Die Vorstellung allerdings, Octavian würde sich, nachdem er sechsspännig bei Faninals Stadtpalais vorgefahren ist, im Hof in den Sattel schwingen, um ins Vestibül zu reiten, ist schon ein bisschen grotesk.
Dennoch gab es Szenenapplaus – für die Reiterin, aber wohl auch für das Pferd.
Nichts ist so undankbar, wie neben Tieren oder Kindern auf der Bühne zu stehen, sagt eine alte Theaterweisheit. Ein Gedicht von Christian Morgenstern verrät, warum:
Ein Wildbret mußt’ allabendlich
auf einem Hoftheater sich
im Hauptakt auf das Stichwort «Schürzen»
von links aus der Kulisse stürzen.
Beim zwölften Male brach es aus
und rannte dem Souffleur ins Haus,
worauf es kurzweg – und sein Part –
von der Regie gestrichen ward. (...)
Tiere lassen sich dressieren, bleiben aber (wie Kinder) letztlich unberechenbar. Morgensterns Bock spielt Abend für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der dritten Lieferung ist Kopenhagens «Ring»-Zyklus endlich im neuen Opernhaus angekommen – und dieser Szenenwechsel hat Regisseur Kasper Bech Holten und seinem Team neue Möglichkeiten eröffnet.
Nach einem «Rheingold», das in den zukunftsseligen, ausschweifenden Zwanzigern, und einer «Walküre», die in den Fünfzigern angesiedelt ist, hat man sich mit «Siegfried»...
Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen...
Die Wiedergeburt von Cherubinis «Medea» (in der französischen Urfassung mit Dialogen «Médée») auf dem Musiktheater wird gemeinhin dem stimmlichen und darstellerischen Parforceritt der Maria Callas zugeschrieben. Sie hat die Partie in den fünfziger Jahren nach Mailand an verschiedenen italienischen und internationalen Bühnen gesungen. Seither erscheint das 1797 in...
