«Und lieblich brüllt das Ostervieh»
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat. Die Vorstellung allerdings, Octavian würde sich, nachdem er sechsspännig bei Faninals Stadtpalais vorgefahren ist, im Hof in den Sattel schwingen, um ins Vestibül zu reiten, ist schon ein bisschen grotesk.
Dennoch gab es Szenenapplaus – für die Reiterin, aber wohl auch für das Pferd.
Nichts ist so undankbar, wie neben Tieren oder Kindern auf der Bühne zu stehen, sagt eine alte Theaterweisheit. Ein Gedicht von Christian Morgenstern verrät, warum:
Ein Wildbret mußt’ allabendlich
auf einem Hoftheater sich
im Hauptakt auf das Stichwort «Schürzen»
von links aus der Kulisse stürzen.
Beim zwölften Male brach es aus
und rannte dem Souffleur ins Haus,
worauf es kurzweg – und sein Part –
von der Regie gestrichen ward. (...)
Tiere lassen sich dressieren, bleiben aber (wie Kinder) letztlich unberechenbar. Morgensterns Bock spielt Abend für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sonderlich beliebt sind sie nicht, die alten Schweden. Fragt man in Stockholm nach nationalen Klassikern des Tonsatzes, kommen Einschätzungen wie «nicht wirklich gut» (der Komponist Anders Hillborg über den Komponisten Kurt Atterberg) oder das Bekenntnis «klingt mit Retuschen besser» (der Dirigent Manfred Honeck über den Komponisten Franz Berwald). Unverdrossen...
Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
Pa...
Ferruccio Busonis «Doktor Faust» ist eines der Hauptwerke des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts. Der deutsch-italienische Komponist konnte die Oper, die er gleichsam wie ein Monument über sein gesamtes Schaffen stülpte, nicht mehr abschließen. In Stuttgart – und zuvor in San Francisco (siehe OW 8/2004) – kam sie erstmals ohne die Ergänzungen Philipp Jarnachs bzw....
