Der Tor und der Tod
Sonderlich beliebt sind sie nicht, die alten Schweden. Fragt man in Stockholm nach nationalen Klassikern des Tonsatzes, kommen Einschätzungen wie «nicht wirklich gut» (der Komponist Anders Hillborg über den Komponisten Kurt Atterberg) oder das Bekenntnis «klingt mit Retuschen besser» (der Dirigent Manfred Honeck über den Komponisten Franz Berwald). Unverdrossen jedoch bringt das von Honeck geleitete Schwedische Radio-Sinfonieorchester in der Berwald-Halle – ja, so heißt sie – auch hausgemachte Werke zu Gehör.
Schade nur, dass das im Ausland kaum einer merkt, obwohl die Übertragungen nach eigenen Angaben jährlich achtzig Millionen Hörer in Europa erreichen.
«Schwedische Künstler sind ein bisschen faul», seufzt selbstironisch der Komponist Thomas Jennefelt, der wie Hillborg 1954 geboren wurde. «Allerdings weiß man hierzulande sehr genau, wie Geld gemacht wird», wofür Jennefelt folgendes Muster analysiert: Man kombiniere Rohstoffe zu billigen Massenprodukten und verkaufe diese unter vier einprägsamen Buchstaben – siehe Ikea, siehe Abba. Kollege Hillborg erklärt diesen Hang zur Oberflächlichkeit mit der Geschichte eines Landes, das wegen politischer Dominanz keine Nationalbewegung ...
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