Und immer wieder grüßt der Getränkeautomat
Wenn Regisseure ihre eigenen Inszenierungen erläutern, erfährt man zwar, was sie sich bei der Arbeit gedacht haben; allzu oft zeigt sich aber, dass sie die Gedanken nicht in Bilder übersetzen können. Es bleibt bei der abstrakten Deklaration. Kommt sängerisches oder schauspielerisches Unvermögen hinzu, ist die Katastrophe fast komplett. Fast. Repertoirestücke sind unverwüstlich, überstehen noch das kläglichste Scheitern. Handelt es sich hingegen um Uraufführungen, um äußerst selten gespielte oder total vergessene Werke, ist der Schaden immens, schlimmstenfalls irreparabel.
So geschehen am Staatstheater Darmstadt, das Felix Weingartners «Kain und Abel» aus den Tiefen der Archive ins Rampenlicht holte und gleich wieder versenkte. Der Komponist hatte seine 90-Minuten-Version der biblischen Urgeschichte 1914 uraufgeführt. Nach dem Weltkrieg konnte er drei weitere Opern präsentieren («Die Dorfschule», «Meister Andrea» und «Der Apostat»), kehrte aber zum alttestamentarischen Brudermord nicht mehr zurück, obwohl oder weil das Thema nach den entsetzlichen Völkerschlachten eigentlich nahegelegen hätte. Zeitlos ist es ohnehin. Diese Qualität des Theaters, über alle Epochen hinweg die conditi ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Volker Tarnow
Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte...
Man hört es und ist sogleich mittendrin in Novalis’ «Hymnen an die Nacht» – auf jenem tiefen, von dunklen Gedanken ummantelten Seelenschmerzfeld, das sich in den Versen ausbreitet, die Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (wie der romantischste aller romantischen Dichter mit bürgerlichem Namen hieß) nach dem viel zu frühen Tod seiner Braut Sophie von Kühn aufs...
