Und immer wieder grüßt der Getränkeautomat

Unglücklich in der Regie, stark in der Musik: Das Staatstheater Darmstadt hebt Felix Weingartners «Kain und Abel» aus der Vergessenheit

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Wenn Regisseure ihre eigenen Inszenierungen erläutern, erfährt man zwar, was sie sich bei der Arbeit gedacht haben; allzu oft zeigt sich aber, dass sie die Gedanken nicht in Bilder übersetzen können. Es bleibt bei der abstrakten Deklaration. Kommt sängerisches oder schauspielerisches Unvermögen hinzu, ist die Katastrophe fast komplett. Fast. Repertoirestücke sind unverwüstlich, überstehen noch das kläglichste Scheitern. Handelt es sich hingegen um Uraufführungen, um äußerst selten gespielte oder total vergessene Werke, ist der Schaden immens, schlimmstenfalls irreparabel.

So geschehen am Staatstheater Darmstadt, das Felix Weingartners «Kain und Abel» aus den Tiefen der Archive ins Rampenlicht holte und gleich wieder versenkte. Der Komponist hatte seine 90-Minuten-Version der biblischen Urgeschichte 1914 uraufgeführt. Nach dem Weltkrieg konnte er drei weitere Opern präsentieren («Die Dorfschule», «Meister Andrea» und «Der Apostat»), kehrte aber zum alttestamentarischen Brudermord nicht mehr zurück, obwohl oder weil das Thema nach den entsetzlichen Völkerschlachten eigentlich nahegelegen hätte. Zeitlos ist es ohnehin. Diese Qualität des Theaters, über alle Epochen hinweg die conditi ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Volker Tarnow

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