Und immer wieder grüßt der Getränkeautomat
Wenn Regisseure ihre eigenen Inszenierungen erläutern, erfährt man zwar, was sie sich bei der Arbeit gedacht haben; allzu oft zeigt sich aber, dass sie die Gedanken nicht in Bilder übersetzen können. Es bleibt bei der abstrakten Deklaration. Kommt sängerisches oder schauspielerisches Unvermögen hinzu, ist die Katastrophe fast komplett. Fast. Repertoirestücke sind unverwüstlich, überstehen noch das kläglichste Scheitern. Handelt es sich hingegen um Uraufführungen, um äußerst selten gespielte oder total vergessene Werke, ist der Schaden immens, schlimmstenfalls irreparabel.
So geschehen am Staatstheater Darmstadt, das Felix Weingartners «Kain und Abel» aus den Tiefen der Archive ins Rampenlicht holte und gleich wieder versenkte. Der Komponist hatte seine 90-Minuten-Version der biblischen Urgeschichte 1914 uraufgeführt. Nach dem Weltkrieg konnte er drei weitere Opern präsentieren («Die Dorfschule», «Meister Andrea» und «Der Apostat»), kehrte aber zum alttestamentarischen Brudermord nicht mehr zurück, obwohl oder weil das Thema nach den entsetzlichen Völkerschlachten eigentlich nahegelegen hätte. Zeitlos ist es ohnehin. Diese Qualität des Theaters, über alle Epochen hinweg die conditi ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Volker Tarnow
Jeder Takt überraschend. Keine Spur von Kitsch.» So urteilte Anton von Webern im Gedankenaustausch mit Arnold Schönberg über «La fanciulla del West». Puccini selbst wollte sich mit dieser Oper tatsächlich neu erfinden. Er war davon überzeugt, dass es eine zweite «Bohème» werden würde, nur «stärker, kühner und umfassender». Die New Yorker Met brachte das Stück 1910...
Der Teufel turtelt mit einer Nonne. Ein Gartenzwerg, der seine Angel in den Orchestergraben hält, schaut halb neidisch, halb entrüstet zu, wie der Behörnte im feuerroten Wams der Ordensfrau ein ums andere Mal ins Weiche greift. Von bizarrem Humor ist das, in der Darstellung nahezu possierlich, eine Altersempfehlung erst ab 16 Jahren (der «Tannhäuser» läuft in...
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt)...
