Nichts ist so grotesk wie die Realität
Der Teufel turtelt mit einer Nonne. Ein Gartenzwerg, der seine Angel in den Orchestergraben hält, schaut halb neidisch, halb entrüstet zu, wie der Behörnte im feuerroten Wams der Ordensfrau ein ums andere Mal ins Weiche greift. Von bizarrem Humor ist das, in der Darstellung nahezu possierlich, eine Altersempfehlung erst ab 16 Jahren (der «Tannhäuser» läuft in Magdeburg ab 14, Rossinis «Barbier» ab 10 Jahre), müsste deshalb aber noch nicht gleich ausgesprochen sein.
In Alfred Schnittkes «Leben mit einem Idioten» ist viel von Fäkalien die Rede und wohin man sie platzieren kann: auf den Teppich, in den Kühlschrank, an die Wand geschmiert. Oft wird auch das recht derbe Wort «vögeln» verwendet, gerne in mehr -facher Wiederholung: «vögeln, vögeln, vögeln»; ein Mann – der «Idiot», der hier alles in Unordnung bringt – vergewaltigt eine Frau, später bringt er sie mit einer Baumschere um die Ecke. Sieht man von der Frau ab, die plötzlich in einem blutverschmierten Kleid dasitzt, ist von all den Unappetitlichkeiten, die sich Viktor Jerofejew, der Autor der Novelle «Leben mit einem Idioten» und Librettist der gleichnamigen Oper, ausgedacht hat, in Magdeburg aber nichts zu sehen. Dafür sollte ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Clemens Haustein
Nach einem halben Jahr kommt wieder ein Korb voller Überraschungen aus London: mit dem siebten Album der Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern. Für den krönenden Abschluss des Opera Rara-Projekts fehlt nur noch eine Aufnahme; diese sollte im Herbst erscheinen.
Man stelle sich vor, kürzlich habe eine Spürnase in einem abgelegenen Kloster 15 völlig unbekannte...
Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle...
