Prager Frühling

Sláva Daubnerová begegnet Wagners «Rheingold» am Nationaltheater mit kluger, süffisanter Ironie, Hermann Bäumer sorgt an der Staatsoper bei «Nabucco» für neue musikalische Intensitäten

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Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt) weit spannender. Allein die raffinierten harmonischen Verschiebungen bergen erheblichen Reiz.

Den Auftakt macht Erdas pseudophilosophische Weissagung «Alles, was ist, endet» (Ach, wirklich?), die sich aus trübem cis-Moll zu wesentlich hellerem A-Dur aufklart, bevor die Musik durch mehrere, weit voneinander entfernte Tonarten hindurchschlüpft (oder auch mal ruckelt), bis sie schließlich im heilig-versöhnlichen Des-Dur-Hafen anlangt. Ein trügerischer Schluss, denn zuvor, während Wotan in die Riesenburg Walhall einzieht, hat Loge singend den vielleicht entscheidenden Satz gesagt: «Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.»

Darum vor allem geht es im «Ring». Um den Größenwahn von Göttern wie Menschen. Um den fehlenden moralischen Fortschritt. Um mangelhafte (Selbst-)Erkenntnis. All dies zeigt sich im ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten

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