Prager Frühling
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt) weit spannender. Allein die raffinierten harmonischen Verschiebungen bergen erheblichen Reiz.
Den Auftakt macht Erdas pseudophilosophische Weissagung «Alles, was ist, endet» (Ach, wirklich?), die sich aus trübem cis-Moll zu wesentlich hellerem A-Dur aufklart, bevor die Musik durch mehrere, weit voneinander entfernte Tonarten hindurchschlüpft (oder auch mal ruckelt), bis sie schließlich im heilig-versöhnlichen Des-Dur-Hafen anlangt. Ein trügerischer Schluss, denn zuvor, während Wotan in die Riesenburg Walhall einzieht, hat Loge singend den vielleicht entscheidenden Satz gesagt: «Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.»
Darum vor allem geht es im «Ring». Um den Größenwahn von Göttern wie Menschen. Um den fehlenden moralischen Fortschritt. Um mangelhafte (Selbst-)Erkenntnis. All dies zeigt sich im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten
Nach einem halben Jahr kommt wieder ein Korb voller Überraschungen aus London: mit dem siebten Album der Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern. Für den krönenden Abschluss des Opera Rara-Projekts fehlt nur noch eine Aufnahme; diese sollte im Herbst erscheinen.
Man stelle sich vor, kürzlich habe eine Spürnase in einem abgelegenen Kloster 15 völlig unbekannte...
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle...
Drei Notenpulte stehen vor dem Eingang in den Zuschauerraum des Allee Theaters. Noch sind die Flügeltüren in den Saal verschlossen. Kaum eingetreten in das Foyer von Hamburgs kleinstem Opernhaus sind wir dennoch gleich mittendrin im munteren Geschehen. Und unversehens spielen wir mit. Es braucht ein paar inspirierende Irritationsmomente, um das Experiment in diesem...
