Im Panoptikum
Jeder Takt überraschend. Keine Spur von Kitsch.» So urteilte Anton von Webern im Gedankenaustausch mit Arnold Schönberg über «La fanciulla del West». Puccini selbst wollte sich mit dieser Oper tatsächlich neu erfinden. Er war davon überzeugt, dass es eine zweite «Bohème» werden würde, nur «stärker, kühner und umfassender». Die New Yorker Met brachte das Stück 1910 als erste Uraufführung ihrer Geschichte heraus mit Arturo Toscanini am Pult, Enrico Caruso als Dick Johnson und Emmy Destinn als Minnie. Die Handlung spielt in einem Goldgräbercamp in Kalifornien.
Trotzdem ist diese erste Wildwest-Oper der Musikgeschichte keine US-amerikanische Nationaloper geworden, was sich manche Kritiker damals insgeheim erhofft hatten.
Bei der Premiere am Aalto-Theater macht sich der Essener GMD Andrea Sanguineti den Spruch Weberns zu eigen. Er begibt sich ins Innere der Musik und modellierte die Eigenarten von Puccinis Klangerfindungen heraus. So hört man beim ersten Kuss zwischen Minnie und Johnson eine kreischende, dissonante Musik, keine zarten Klänge, dagegen in Minnies Bibelstunde luftige, duftende Orchesterklänge. Und als Johnson blutüberströmt in ihre Hütte zurückkehrt, werden Minnies ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Richard Lorber
Leicht müsse man sein, «mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen …», singt die Feldmarschallin im ersten Aufzug des «Rosenkavaliers». Auch in der Heidelberger Inszenierung von Andrea Schwalbach ist Leichtigkeit das Schlüsselwort. Als «Komödie für Musik» haben der Komponist und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal das Stück...
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
Man hört es und ist sogleich mittendrin in Novalis’ «Hymnen an die Nacht» – auf jenem tiefen, von dunklen Gedanken ummantelten Seelenschmerzfeld, das sich in den Versen ausbreitet, die Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (wie der romantischste aller romantischen Dichter mit bürgerlichem Namen hieß) nach dem viel zu frühen Tod seiner Braut Sophie von Kühn aufs...
