Und der Wind singt
Ein Mensch, allein wie weiland Ariadne auf Naxos, fremd geworden unter Menschen, nach Heimat suchend unter Tieren und Pflanzen. Vermag ihm die Natur zu antworten oder nicht? Für diese zwiespältige Erfahrung halten viele musikalische Werke eine starke Übersetzung bereit: den Dialog zwischen der menschlichen Stimme und einem Instrument, das, ebenso wie die Natur, spricht und doch nicht spricht.
Auch Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara setzen es ein in jenen vier Kantaten, aus denen die Mezzosopranistin Giuseppina Bridelli und das Quartetto Vanditelli ein sinnfälliges Album entwickelt haben: Kantaten, bei denen die menschliche Stimme vom Basso continuo und von einer Solo-Violine begleitet wird.
Meist ist es enttäuschte Liebe, die in diesen Stücken einen Menschen – drei Frauen, einen Mann – zur Einsamkeit verdammt hat, der nun vergeblichen Halt im ungleichen Zwiegespräch zu finden sucht. Am deutlichsten dort, wo die Violine die Stimme in der echten Echowirkung aufgreift, wie in Scarlattis «Dove fuggo? A che penso?» zu den Worten «risponderà» und «replicherà». Aber es kann auch jener «zeffiretto» sein, der sie, wie in Caldaras «Vicino a un rivoletto», in süßesten Geigenornamenten ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Michael Stallknecht
Den meisten deutschen Musikliebhabern dürfte der Name Spyridon Samaras nichts sagen. Dabei war der 1861 auf Corfu geborene Komponist und spätere Schöpfer der griechischen Nationalhymne zu seiner Zeit auch jenseits der Heimat ein berühmter Mann. In Athen und später in Paris (u. a. bei Léo Delibes) ausgebildet, begann Samaras seine Karriere in Italien, wo er sich mit...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
Wie das Wetter war? Vermutlich eisig. Vielleicht blinzelte an diesem 3. November 1843 in Sankt Petersburg hier und da mal die Sonne durch die grauen Ritzen, die Temperaturen dürften aber eher unter null Grad gelegen haben. Zumindest draußen. Drinnen jedoch, im Bolschoi Theater, glühte es, und das nicht nur der bullernden Heizung wegen. Nein, es war jene Dame, die...
