Und der Wind singt
Ein Mensch, allein wie weiland Ariadne auf Naxos, fremd geworden unter Menschen, nach Heimat suchend unter Tieren und Pflanzen. Vermag ihm die Natur zu antworten oder nicht? Für diese zwiespältige Erfahrung halten viele musikalische Werke eine starke Übersetzung bereit: den Dialog zwischen der menschlichen Stimme und einem Instrument, das, ebenso wie die Natur, spricht und doch nicht spricht.
Auch Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara setzen es ein in jenen vier Kantaten, aus denen die Mezzosopranistin Giuseppina Bridelli und das Quartetto Vanditelli ein sinnfälliges Album entwickelt haben: Kantaten, bei denen die menschliche Stimme vom Basso continuo und von einer Solo-Violine begleitet wird.
Meist ist es enttäuschte Liebe, die in diesen Stücken einen Menschen – drei Frauen, einen Mann – zur Einsamkeit verdammt hat, der nun vergeblichen Halt im ungleichen Zwiegespräch zu finden sucht. Am deutlichsten dort, wo die Violine die Stimme in der echten Echowirkung aufgreift, wie in Scarlattis «Dove fuggo? A che penso?» zu den Worten «risponderà» und «replicherà». Aber es kann auch jener «zeffiretto» sein, der sie, wie in Caldaras «Vicino a un rivoletto», in süßesten Geigenornamenten ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Michael Stallknecht
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