Der Welt enthoben
Als Opernreformer hat Gluck Musikgeschichte geschrieben. Aber vor dem grundstürzenden «Orfeo» liegt ein langer, zwanzigjähriger Weg – 29 Bühnenwerke, die so gut wie nie aufgeführt werden. Gleich mit seinem Erstling «Artaserse» war er 1741 in Mailand erfolgreich. Es folgten bis 1745 sieben weitere für Italien geschriebene Stücke, meist auf Libretti Pietro Metastasios, von denen allein «Ipermestra« vollständig erhalten ist. Vom 1743 ebenfalls in Mailand uraufgeführten «Demofoonte» sind nur die Arien überliefert, die handlungstragenden Rezitative dagegen verloren.
Der amerikanische Barockspezialist Alan Curtis hat sie neu komponiert, die vervollständigte Oper 2014 in Wien konzertant präsentiert und im Frühjahr 2015, kurz vor seinem Tod, im Studio eingespielt. Es ist eine erstaunliche Aufnahme – hörenswert wegen ihrer interpretatorischen Qualität, aber auch wegen des Lichts, das sie auf Glucks Anfänge wirft.
Er beherrscht den Stil der aufklärerischen Seria, wie ihn vor allem Hasse in seinen zahlreichen Metastasio-Vertonungen vorgegeben hat, bereits im «Demofoonte». Er weiß virtuos für die Stimmen zu schreiben, dem Orchester dramatisches Gewicht zu geben, lotet die Emotionen der ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Uwe Schweikert
Just am Morgen der Premiere wird die Vertragsverlängerung des Intendanten bekanntgegeben: Aviel Cahn, der seit der Saison 2019/ 20 das Grand Théâtre de Genève leitet, wird bis 2029 im Amt bleiben. Dieser Vertrauensvorschuss erlaubt dem Schweizer neben seiner Politik der beherzten Öffnung des Hauses nicht zuletzt, seine programmatischen Linien fortzuspinnen, etwa...
«Perché il mio canto s’attrista – Warum wird mein Gesang traurig, ich habe ich nie gehört, wie ist er in mich geraten?», singt der Chor im Zentrum von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper – da ist das grausame Schuld- und Sühne-Spektakel schon im vollen Gange. «Ich beweine dieses Haus, dem der Untergang droht», klagt am Beginn der Wachposten auf einem in schwarzer...
Diese Aufführung ist ein Angriff auf alle Sinne. Wer Bertolt Brechts Lehrstück aus dem Jahr 1939 für politisch überholt und seine Vertonung durch Paul Dessau aus dem Jahr 1951 für musikalisch blass hielt, wird durch die Stuttgarter Inszenierung eines Besseren belehrt. Aktuell ist «Die Verurteilung des Lukullus», die bei ihrer Uraufführung an der Ost-Berliner...
