Innenwelten
Henry James’ Erzählung «The Turn of the Screw» gehört zu den rätselhaftesten Texten der Weltliteratur. James entfaltet darin mit kriminalistischer Spannung die unheimliche Atmosphäre in einem englischen Landhaus, ohne am Ende eine Lösung zu bieten.
Handelt es sich um einen Fall von früherem Kindesmissbrauch, wenn die Waisen Miles und Flora von den Geistern zweier Verstorbener bedrängt werden? Oder ist es eine Fallstudie über die neue Gouvernante, die ihre psychosexuelle Neurose und den damit einhergehenden Machtwillen auf ihre beiden Zöglinge projiziert?
Auch Brittens Oper beantwortet die Frage nicht, verschiebt aber durch die Tatsache, dass die Stimmen der Verstorbenen nicht nur erklingen, sondern dass der ehemalige Diener Peter Quint und die frühere Erzieherin Miss Jessel als verführerische Untote real auftreten, die Gewichte beträchtlich – umso mehr, als die Vertonung für ein solistisch besetztes Kammerorchester die Schwelle von Wirklichkeit zu Übersinnlichkeit auch musikalisch einfängt. Das geschieht vor allem in den 15 Instrumental-Variationen, die die in Filmschnitten erzählte Handlung von Szene zu Szene weiterschrauben, bis das zugrunde liegende Zwölftonthema im finalen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
62. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752350
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der...
Wie das Wetter war? Vermutlich eisig. Vielleicht blinzelte an diesem 3. November 1843 in Sankt Petersburg hier und da mal die Sonne durch die grauen Ritzen, die Temperaturen dürften aber eher unter null Grad gelegen haben. Zumindest draußen. Drinnen jedoch, im Bolschoi Theater, glühte es, und das nicht nur der bullernden Heizung wegen. Nein, es war jene Dame, die...
